Waldbaden: Diabetes und Sport

Diabetes, Sport und entspannendes Baden, gleichzeitig? Geht nicht? Geht doch! Waldbaden. Noch nie gehört? There you go!

Was ist Waldbaden?

Waldbaden oder das Aufhalten von mindestens 15 Minuten im Grünen senken nachweislich Stress, Herzfrequenz und den Blutdruck. Dazu zählen zum Beispiel Wälder oder Parks. Waldbaden ersetzt natürlich keine Medikamente, ist jedoch super als Prävention, auch gegen Depressionen und Burnout. Auch wenn der Aufenthalt im Freien, wie zum Beispiel am Meer, als entspannend empfunden wird – die genannten Effekte gibt es nur im Wald. (Quellen: techniker.de, quarks.de, nabu.de, ndr.de)

Ich bin ein echtes Waldkind. Kein Wunder, bin ich mitten im Pfälzer Wald aufgewachsen! Ich liebe es, mich im Wald zu bewegen oder auch „nur“ zu chillen und die Natur zu beobachten. Dass das Waldbaden heißt, habe ich erst vor ein paar Jahren gelernt. 😉 Es braucht für mich nicht viel: Etwas Zeit, gute Laufschuhe und Kleidung (noch mehr Tipps bei meindiabetesblog.com), Diabetesmanagement.

Sport und Diabetes im Wald

Diabetes und Sport ist generell eine Herausforderung – ich finde, es lohnt sich immer, diese anzugehen! Bevor ich loslege, versuche ich, möglist kein aktives Insulin mehr im Körper zu haben. Meistens klappt das nicht und ich gehe erst nach Mahlzeiten los, sprich mit aktivem Insulin. Da heißt es: Vorausschauend agieren. Ich gebe dann deutlich weniger Bolus ab und stelle den Zielwert im AndroidAPSLoop deutlich höher (140 mg/dl – 180 mg/dl anstatt 100 mg/dl, nach Bauchgefühl). Je nachdem, wie aktiv ich sein möchte und wie lange, stelle ich das Basalratenprofil niedriger.

Na, und natürlich müssen auch Zusatz-BEs mit. Ich transportiere die meistens in einer kleinen Bauchtasche oder in einem Laufrucksack. Inhalt: Schlüssel, Handy, Tempo, Saft oder Gel, Gummibärchen o.ä., Müsliriegel. Der Vorteil beim Laufrucksack ist für mich, dass er mich im Gegensatz zu anderen Taschen null stört. Er wackelt nicht, sondern sitzt stabil auf dem Rücken. Auch Rutschpartien oder bergauf-bergab-Torturen sind damit möglich.

Beate läuft einen Berg im Wald hoch. Auf ihrem Rücken ist ein Laufrucksack.

Diabetesmanagement bedeutet für mich, immer zwei Schritte weiter zu denken. Gestern war ich zum Beispiel anstatt der geplanten 6km doppelt so lange unterwegs. Dank meiner Planung hatte ich genügend Zusatz-BEs mit. Oft brauche ich keine Zusatz-BEs, aber: Man weiß ja nie! Da leb ich wirklich lieber auf der sicheren Seite.

Das schöne am Waldbaden ist: Alles kann, nichts muss. Und egal ob Bewegung oder nicht, es ist für jede und jeden geeignet. Mir macht es mit Bewegung (spazieren, walken, selten trailrunning) und Pausen am meisten Spaß.

Viel Freude und Erholung im Wald. Mit etwas Planung alles kein Problem. 😉

Besuch bei der Diabetologin

Gestern hatte ich meinen Termin bei meiner Diabetologin.

In den letzten Monaten ging es mir nicht gut. Mein Diabetes war nicht der Grund. Im Gespräch mit meiner Diabetologin habe ich vor allem eines erfahren: Lob und Motivation. Wir haben lange gesprochen und auch die Wirkung von Hormonen auf meinen Blutzucker thematisiert. (Emotionaler) Stress wirkt auf den Körper, es wird Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet. Dank SMB (Super mikro Boli, die die Pumpe abgibt und durch AndroidAPS Loop gesteuert werden) habe ich viele Anstiege und auch Insulinüberdosierungen verhindern können.

Meine diabetische Baustelle aus den letzten drei Wochen sind nächtliche Hyppos in den frühen Morgenstunden. Die Ursache habe ich noch nicht gefunden, da muss ich nochmal ran.

Mein HbA1C ist bei 6,7 %, die Time in Range ist sehr unterschiedlich. Keine schweren Hypos oder Hypers. Die Tendenz für eine mich zufriedenstellender TIR ist wieder steigend.

Ich werde das kurzwirksame Insulin Lyumjev testen, hat das schon jemand probiert? Ich erhoffe mir davon, dass sich der SEA verkürzt, dass weniger Insulin „nachhängt“. Das Wirkmaximum soll früher sein und es soll insgesamt eher schneller regulieren. Die Wirkdauer ist laut Lilly bei 5 Stunden, die werde ich also nicht anpassen.

Das Problem mit Diabetes ist, dass ich auch, wenn es mir nicht so gut geht, die Funktion meiner Bauchspeicheldrüse ersetzen muss und die zusätzlichen Hormone (wie Adrenalin und Cortisol) ausbalancieren muss. Hätte vielleicht doch Seiltänzerin werden sollen…

Bildbeschreibung: Blick in die Landauer Fußgängerzone. Eingefügt ist ein Screeenshot der Gewebezuckerwerte der letzten 24 Stunden.
Herzsticker. Aufschrift: „You can’t buy happiness, but you can buy a nice pair of shoes. And that’s kind of the same thing.“

#beate_putzt auch, wenn mal mehr trübe Tage als sonnige Tage sind. Mir hilft immer Bewegung, Musik machen/hören und der Austausch mit Freund:innen oder in unserer Community. Gerade darf ich einige Menschen wieder live sehen. Ihr glaubt gar nicht, wie gut es tut, dass mir mal jemand ins Gesicht sagt „Weiter so!“ oder auch „Das seh ich nicht so„.

Passt auf euch auf, macht ne Pause im Alltag und im Urlaub richtig abschalten.

Corona-Diabetes-Blues

Wertechaos, Stress, Unzufriedenheit, gefühlt verfrühter Herbst mit viel Grau im Norden Deutschlands. Wie geht’s dir eigentlich?

Diabetes und depressive Verstimmung aka der Corona-Diabetes-Blues. Und jetzt?

Depressive Verstimmung und Corona-Blues, wie wirkt sich das aus?

Ich saß an vielen Tagen in der letzten Zeit nach der Arbeit bis zu der Schlafenszeit rum. Blutzuckerwerte mit der Zeit im Zielbereich unter 60%. Netflix & Chill, viel Zeit am Handy. Keine Lust auf putzen (!!!). Kein Aufreger der Woche, sondern mehrere Aufreger des Tages. Mir war alles zuviel, ich fühlte mich kraft- und machtlos. Die Lage der Flüchtenden auf Moria, der US-Wahlkampf, Black-Lives-Matter-Bewegung, Anti-Corona-Nazi-Demos in Deutschland, Umzug, Personalmangel bei der Arbeit, massiv eingeschränkte soziale Kontakte und persönliche Rückschläge.

Mein Kleinkind Diabetes

Die Luft war raus, auch in der Diabetestherapie. Und das Problem mit diesem Diabetes ist ja: Er ist immer dabei. Lässt sich nicht abstellen. Lässt mich nicht ausruhen. Fordert mir auch in kraftlosen Situationen noch Kraft. In manchen Nächten sogar Schlaf. Keiner kann ihn mir mal abnehmen. Da hilft auch kein Loop. Ich häng hier nur so rum.

Volle Kraft voraus in die depressive Verstimmung

Zwischendurch war ich wirklich verzweifelt. Außer einmal in der Woche zum Tanzkurs bekam ich nichts mehr auf die Reihe. Viele Menschen in meinem Alter sind schon wieder zum Alltag zurückgekehrt. Vermehrt bekomme ich aus der Behinderten-Inklusions-Bubble inklusive der Diabetes-Community mit, dass es vielen Menschen mit Behinderung so geht wie mir: Angst vorm Winter, Sorge vor einer Infektion, Sorge um die eigene Pflege, Versorgung und Absicherung im Alter, im Jetzt oder im Falle einer Infektion. Alleine bin ich schonmal nicht.

Jammern hilft nur bedingt

Nach Wochen auf der Couch und dem Sessel fasste ich vor kurzem einen Entschluss: So geht’s nicht weiter. Ja, die Lage fühlt sich beschissen an. Vieles kann ich nicht ändern. Doch aus dieser depressiven Verstimmung muss ich so schnell wie möglich raus. Mein Plan: Wieder mehr skypen und telefonieren. Mehr schöne Dinge planen, auch ohne Menschen und mit Picknick im Rucksack. Küchenkreativchaos. Bücher lesen. Musik hören. Social Media Zeit eingrenzen. Richtig Feierabend machen. Yoga. Austausch in den Communities. Bewegung. Mich (virtuell) mit Freund:innen umgeben, die mir gut tun. Mir weniger vornehmen.

Et voilà, es wird besser

Es ist nicht leicht, doch mir geht es langsam besser. Dabei hilft mir, mich selbst zu reflektieren und mich zu fragen: Wie geht’s dir? Was brauche ich jetzt? Mir ist klar, dass das nicht von heute auf morgen geht. Das ist in Ordnung.

Meinen Diabetes würde ich derzeit trotzdem gern mal abgeben oder auf Pause drücken. Ich hab mir kleine Ziele vorgenommen und mit meiner Ärztin besprochen.

Seit gestern bin ich im Ferienmodus und in der Pfalz. So ein Tapetenwechsel wirkt Wunder: Mein Blutzucker benimmt sich schon viel besser, ohne, dass ich etwas verändert hätte.

Lasst uns reden: Wie geht’s dir?

Wichtiger Hinweis:

Nummer der Telefonseelsorge (kostenfrei): 0800/1110111 oder 0800/1110222

Solltest du merken, dass du aus einer depressiven Verstimmung nicht mehr alleine rauskommst, organsiere dir professionelle Hilfe. Dabei kann ein:e Ärzt:in helfen!

vgl. https://www.telefonseelsorge.de/

Passt auf euch auf, lasst es euch gut gehen!

Goldener, sonniger Herbsttag in den Weinbergen
Goldener, sonniger Herbsttag in den Weinbergen

#DBW2018: Meine persönliche Diabetes-Inspiration

#DBW2018, der letzte Tag. Das Thema lautet

„Meine persönliche Diabetes-Inspiration“

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Wo kann ich Diabetes-Inspiration finden?

Online und offline gibt es für mich ganz viele verschiedene Menschen und Projekte, die mich inspirieren. Hast du in dieser Woche vielleicht ganz neue Inspiration entdeckt? Durch Menschen, Projekte oder ein Lied?

Meine online-Inspiration

Mich inspiriert immer wieder die Diabetescommunity. Gerade bei den Treffen im offline-Leben kommt soviel Input zustande, dass mir oft tagelang der Kopf schwirrt.

Meine offline-Inspiration(en)

Meine Diabetespraxis

Eine Person, die mich nur offline inspiriert, ist meine Diabetesärztin. Deren Praxis ist für mich so passend, dass ich mittlerweile 800km weit dorthin fahre. Ich werde ohne Vorstellen erkannt, freundlich vom gesamten Personal begrüßt. Mit meiner Ärztin bespreche ich jedes Mal meine Werte, berichte von meinen letzten Anpassungen und nehme mit ihr gemeinsam Änderungen vor. Am Anfang steht aber immer (!) die Frage, wie es mir gerade geht. Das erlebe ich als sehr hilfreich, denn mein Diabetes ist auch immer von meinen Lebensumständen abhängig. Jedes Mal danach verlasse ich beschwingt die Praxis – mit der Motivation für neue Artikel, neue Projekte und auch für mein eigenes Diabetesmanagement. Nicht umsonst hat meine Ärztin Preise für herausragendes Engagement erhalten. Ihr merkt: Ich bin begeistert.

 

Mein Jakobsweg

Der Weg ist das Ziel. Schon mehrfach habe ich euch von meinen Pilgerreisen erzählt, mich ruft der Weg seit 2015 regelmäßig. Auch in Deutschland treffe ich (ungeplant) häufig auf einen Teil des Weges. Der Jakobsweg beginnt immer vor der eigenen Haustür.

Wegweiser

Wie kann eine Pilgererfahrung Inspiration für den Diabetes sein?

Diabetes beginnt vor der eigenen Haustür. Ich kann nicht den Weg eines anderen gehen. Ich kann mich inspirieren lassen. Mein eigenes Tempo muss, will und kann ich trotzdem entwickeln. Bei meiner Diabetestherapie ist auch der Weg das Ziel. Das galt sogar schon bei meiner CT 1994. Ausprobieren, evaluieren, anpassen.

Diabetes-Inspiration: In der Ruhe liegt die Kraft

Der Jakobsweg als Fernwanderweg und Pilgerstrecke als auch der Diabetes sind Ausdauerdinge. Mit dauerhafter Anspannung und Stress kann ich das nicht schaffen. Ich muss mir die Ruhe nehmen, um meinen Weg zu gehen.

Messen geht überall.

Diabetes-Inspiration: Buen camino

Buen camino – einen guten Weg dir! Ich kann sowohl Mitpilgern als auch anderen Menschen mit Diabetes einen guten Weg wünschen. Sie unterstützen, ihren Weg zu finden. Mehr aber auch nicht. Gehen müssen wir selbst. Das ist auch gut so. 😊

Mach den ersten Schritt!

Inspiriert dich auch die Natur? Deine Praxis? Die Community? Ich bin gespannt, von dir zu lesen und noch mehr Inspiration zu finden. 😊

Zeit, auf Wiedersehen zu sagen

Es ist der letzte Tag der Diabetesblogwoche, #DBW2018. Ich hoffe, wir lesen uns und sehen uns, um uns gegenseitig zu inspirieren.

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T1Day 2018 und die neuen Leiden eines (TypF) Diabetikers

T1Day 2018 mit spannenden Themen und viel Austausch, u.a. Closed Loop und die neuen Leiden eines (TypF-)Diabetikers.

Moin in die Runde,

gestern war ich auf dem T1Day 2018 in Berlin. Ich habe viele schöne Gespräche gehabt, Informationen ausgetauscht und Vorträgen gelauscht. Zwei Themen waren für mich dabei besonders relevant: Closed Loop und die Belastung durch Diabetes und Technologie auf den Diabetes Typ F – Familie und Freunde.

T1Day 2018 Berlin

Der Tag begonn mit einem inspirienden Vortrag durch Profi-Hockey-Spieler Timur Oruz. Seine Botschaft: Sicher unterwegs, aber nicht verunsichert – und dadurch sein Leben mit Diabetes aktiv leben und gestalten. Toll!

Zum Thema closed loop wird an anderer Stelle viel geschrieben werden, Interessantes für Einsteiger und noch mehr Links für Fortgeschrittene finden sich hier, hier und hier. 🙂

Die neuen leiden des (typ f)Diabetikers?!

Ulrike Thurm lieferte wieder einmal einen spannenden Vortrag. Das Diabetes nicht nur mich belasten und erfreuen kann, sondern auch mein Umfeld, ist nichts Neues. Ulrike legte den Fokus ihres Vortrags nun aber auf die neuen Leides eines Typ-F-Diabetikers. Viele von uns nutzen eine Insulinpumpe und ein FGM/CGM. Ich muss diese Geräte kontrollieren, analysieren, überprüfen, programmieren und zwar immer, zu jeder Tages und Nachtzeit. Dazu kommt regelmäßig ein vibrieren, piepsen, „mist mein Akku ist leer“.

Neue Leiden eines Diabetikers…

Die technischen Neuerungen erleichtern mir als Diabetiker den Alltag, und dabei können sie sehr nervtötend sein (Mir wurde u.a. von Omnipods erzählt, die von Hammern zerschlagen oder von Autos überfahren wurden, um das Piepsen zu beenden!). Ulrike beschrieb das mit zwei Filmen, die bei uns Diabetikern laufen: Der eine Film ist mein Leben, gefüllt mit Hobbies, Beruf, Sport, sozialen Kontakten, Schlaf,… Der andere Film ist der Diabetesfilm, der sich ungefragt dazwischen schaltet und alles auf STOPP setzt. Ändere deine Prioriäten, ich brauche Aufmerksamkeit.

Ohne Frage, diese zwei Filme begleiten mich mittlerweile schon fast 24 Jahren. Seit Jahren „Pumpi“, seit einem Jahr mit CGM.  Ich fahre zwei Filme, von denen meine Umwelt mit Typ F mal mehr, mal weniger mitbekommt.

…führen zu neuen Leiden eines Typ-F-Diabetikers

Seit ich technisch so verkabelt bin, ist mein Diabetes sichtbarer, fühlbarer und hörbarer geworden. Das führt bei allem Fortschritt auch zu Belastungen zu meinem Umfeld.

Vortrag Ulrike Thurm

Viele Punkte kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen. Die Angst vor Überforderung beim Bedienen der Technik hat dazu geführt, dass ich als nicht-mehr daheimwohnendes Kind bei Besuchen Dexcom- und Katheterwechsel mit meiner Familie übe. Das ständige Piepen und auch die angebliche Überbenutzung des Handys (als CGM-Empfänger) nervt meine Schwester zum Beispiel sehr. Die folgende Diabetestechnikbegeisterung mit längeren Vorträgen halten nur wenige Freunde und Familienmitgliedern aus.

Das kann zu Streit führen, ist bei mir glücklicherweise noch nicht so. Eine andere Diabetestherapie bedeutet eben auch eine andere Diabetes-Erfahrung für mein Gegenüber. Um keine Dreieicksbeziehung zu führen, hilft nur reden, aufklären und begeistern für die Technik UND auch eine gesundheitsbewusste Rücksichtsnahme meinerseits.  Konkret: Meine Schwester muss das Piepsen ertragen, dafür fasse ich mich in Bezug auf neue Sticker meiner Pumpe mittlerweile kurz. Ich lerne ja dazu…

Zusätzlich, so Ulrike, gibt es mittlerweile vereinzelt auch Hilfe für TypF-Diabetiker. Deren Sorgen sind genauso ernst zu nehmen wie unsere.

Schon Danke gesagt?

Ulrike forderte auch dazu auf, unseren TypFlern einmal DANKE zu sagen. In diesem Sinne:

LiebeR Mama, Papa, Marion, Janine, Lena, Julia, Ex-Arbeitskollegen und das komplette Freundes-ABC:

Danke.

 

Liebe Grüße, Beate

 

Weitere Beiträge:

Diapolitans Beitrag mit Fokus auf Closed Loop

Diafeelings Beitrag mit Fokus auf den Marktplatz und seine neuen Entwicklungen

 

Weihnachtsgrüße

Markt und Straßen stehn verlassen,

still erleuchtet jedes Haus

sinnend geh ich durch die Gassen

alles sieht so festlich aus.

 

An den Fenstern haben Frauen

buntes Spielzeug fromm geschmückt.

Tausend Kind’lein stehn und schauen

sind so wunderstill beglückt.

 

Und ich wandre aus den Mauern

bis hinaus ins freie Feld

hehres Glänzen, heilges Schauern

wie so weit und still die Welt.

 

Sterne hoch die Kreise schwingen

aus des Schneees Einsamkeit

steigt’s, wie wunderbares Singen

oh du gnadenreiche Zeit.

(Joseph von Eichendorff)

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Liebe*r Leser*in,

hiermit verabschiede ich mich in die Anfänge der Weihnachtszeit. Diese Jahr werde ich vermutlich für längere Zeit das letzte Mal an Weihnachten arbeiten dürfen, meine Studienzeit ist vorbei und damit steht ein Jobwechsel an. Seit Grundschultagen begleitet mich dieses Gedicht von Joseph von Eichendorff, in den letzten Jahren durfte ich oft auf dem Heimweg von der Arbeit an Weihnachten daran denken. Herrlich. Doch auch im neuen Jahr wird es hoffentlich viele Beispiele für eine gnadenreiche Zeit in dieser weiten Welt geben, sei es politisch, beruflich, privat oder ganz anders. Hier auf dem Blog habe ich auch einige Ideen, mal sehen, welche ich umsetzen werde 🙂

Ich wünsche dir eine wunderbare, gnadenreiche und gesegnete Zeit. Sei behütet! Bis ins Jahr 2018!

Alles Liebe, beate_putzt nicht, sondern: Weihnachten. HALLELUJAH!

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Jakobsweg: Camino del Norte

Irgendeine Kilometeranzahl zwischen 550 und 600km später sitze ich in Deutschland und frage mich, warum ich das schon wieder gemacht habe.

Vor zwei Jahren war ich auf DEM Hauptweg der Jakobswege, dem Camino francés, unterwegs. Bevor ich aufbrach, wusste ich damals noch gar nicht, dass es mehrere Varianten und Möglichkeiten gibt, Richtung Santiago de Compostela zu kommen. Schon auf dem Weg war klar, wir (meine Kindergartenfreundin Jana und ich) laufen nochmal. Dieses Jahr wollte ich eigentlich die 2.500km laufen, habe aus verschiedenen Gründen den Weg unterbrochen.
Wenig später bin ich in Spanien mit Jana wieder gestartet: Unser Traum vom Nordküstenweg (Camino del Norte) wurde gewagt und Spoiler, es hat sich gelohnt. 🙂

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Faktencheck

Der Nordküstenweg verläuft zu großen Teilen am Meer und ist meines Eindrucks nach anstregender und herausfordernder als der Camino francés. Lange Etappen, teilweise kilometerlanger Asphalt mit steinigen Untergrunden im Wechsel immer den Launen der Küste ausgesetzt. Zugegeben, das Wetter hätte nicht besser sein können und ich habe meinen stylischen Poncho nur drei Mal gebraucht. Es gab weniger Bars, um zwischendurch einzukehren, dafür abends schöne Gelegenheiten zum essen und trinken. Für mein leibliches Wohl war also zumindest abends stets gesorgt. Auf der ganzen Strecke habe ich nur drei Mal eine leichte Hypo gehabt. Nächtliche Überzuckerungen mit Unmengen an Wasser, morgendlichen Kopfschmerzen und wenig Schlaf hatte ich dagegen in der ersten Woche leider häufig. Das war wohl zum einen dem ungewohnten Essen als auch zum anderen der Ausbalancierung des reduzierten Basalinsulins geschuldet.

!Wichtig! Ich bin auf dem französischen Weg sehr gut mit dem roten Führer zurecht gekommen. Aus verschiedenen Gründen habe ich im Laufe des Nordküstenwegs mein rotes Buch entsorgt und bin mit dem gelben Führer weitergelaufen. Mit dem roten wäre ich wohl heute noch nicht in Santiago angekommen.

!Empfehlung! Ergänzend zum Buch kannst du dich unter der spanischsprachigen Website https://www.gronze.com/ informieren oder/und dir die App „buen camino“ (gelber Pfeil auf blauem Grund) herunterladen.

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Die Füße laufen lassen, der Rest läuft mit

„Es geht mir gut, es geht mir sehr sehr gut.“ – Eins, Zwo

Auf dem Camino habe ich nur wenige Aufgaben: laufen, essen, trinken, waschen, schlafen und meine Bauchspeicheldrüse imitieren. Alles andere ergibt sich von selbst, das Auge sucht nach Muscheln und Pfeilen, die als Wegweiser dienen. Die Stimmung entscheidet, ob ich mich unterhalte oder allein meinen Gedanken nachhängen mag. Und letztlich entscheidet der Jakobsweg darüber, was ich bekomme.

Die Faszination Jakobsweg kann mitunter einen esoterischen Kick erhalten, der jedem, der noch nicht gepilgert ist, wahrscheinlich immer unbegreiflich bleiben wird (mir vor meinem ersten Camino übrigens auch). Dafür wird jedem noch so kopfgesteuerten Menschen, der schon gepilgert ist, sofort ein verständnisvolles Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich kann es ganz schwer in Worte fassen, was dort passiert. Ein Autor, der das wesentlich besser kann als ich, ist Jean-Christophe Rufin: Nichts gesucht, alles gefunden. Meine Reise auf dem Jakobsweg.

Das einfache ist: Pack deinen Rucksack und geh los. Die Beschwerden kommen sowieso, in meinem Fall war das meine anfängliche Unsicherheit, weil in Frankreich nichts wie geplant geklappt hatte und an den letzten zwei Tagen noch zwei große Blasen erlaufen wurden. Jana dagegen hatte dieses Mal viele Schmerzen und ist nach Santiago vorgefahren und hat ihren Weg anders abgeschlossen. Deshalb waren wir am Ende eine Woche getrennt unterwegs.

Die Mitpilger

Grundsätzlich laufen auf dem Nordküstenweg weniger Menschen als auf dem Camino francés. Dadurch, dass ich auch längere Etappen als andere Pilger laufe, habe ich nicht ganz so viele Menschen getroffen. Da der Weg mir aber wieder das gegeben hat, was ich brauchte, war alles perfekt. Neben zahlreichen netten Bekanntschaften haben wir auch gleich am ersten Tag unseren „caminofriend“ Fabrizio kennengelernt, mit dem wir die etliche Kilometer mehr oder weniger gemeinsam gelaufen sind. Zusammen laufen ist auf solchen Strecken übrigens ein echtes Privileg: Ich gehe beispielsweise in hohem Tempo lange Etappen, mache zwei mittellange Pausen, stoppe nicht gern und unterhalte mich manchmal, aber nicht immer. Außerdem will ich nicht die ganze Zeit zusammen laufen, sondern auch getrennt. Gemessen an diesen Kriterien kann man sich leicht vorstellen, wie schwer es ist, jemanden zu finden, den man abends wieder sieht und je nach vorheriger Etappe auch noch erträgt 😉 Deshalb umso unglaublicher, dass ich zwei solche Menschen gefunden habe.

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Santander, Tag 1

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Santilla del Mar

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Gijon

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Jana im Sonnenaufgang

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Herberge

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Sonnenaufgang, Ribadesella

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Seminario, Mondoneo

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Camino suplementario

Kann es ein Fazit geben?

„Beate, wie war’s?“ Jetzt habe ich drei Möglichkeiten: Wenn die Person schon gepilgert ist, beginnt jetzt ein Gespräch über das Pro&Contra der Wege. Wenn die fragende Person noch nicht gepilgert ist (eine Option, die viel wahrscheinlicher ist), gibt es zwei Antwortmöglichkeiten:

  1. „Gut.“ (Evtl. noch: Gutes Wetter, anstrengend, gutes Essen, liebe Mitpilger)
  2. Eine Flasche Wein und mindestens drei Stunden Zeit. (Zeit zum Schweigen gehört auch mit zur Antwort)

Es lässt sich einfach nicht resümieren und kurz erzählen. Also für dich, liebe Leserin und lieber Leser: Es war gut. 🙂

Plus: Irgendeine Kilometerzahl zwischen 550km und 600km später sitze ich wieder im herbstlichen Deutschland und frage mich, warum ich das schon wieder gemacht habe und vor allem, warum ich schon mindestens einen weiteren Camino geplant habe…

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SANTIAGO 🙂

Es geht weiter – ab morgen wieder Pilgerin!

Ultreia ultreia. Immer weiter, immer weiter. Die Pause ist vorbei!

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein kurzer und schneller Gruß, bevor es morgen wieder weiter geht. Mit dem Flugzeug nach Santander und ab dort via Santiago. Soweit die Füße tragen mit meiner Kindergartenfreundin Jana auf dem spanischen Nordküstenweg unterwegs sein, bei Wind und Wetter…

Mittlerweile habe ich mich von meinen Strapazen erholt, war zwei Wochen in Norddeutschland, habe Tagestouren in der Heimat unternommen, geputzt, Bewerbungen geschrieben und meine Basalrateneinstellungen verfeinert. Außerdem habe ich zwei Diabetestreffen in Frankfurt am Main und in Mainz besucht und dort liebe Diabetesmenschen kennengelernt*.

Rückschläge beziehungsweise ein Ändern der Pläne passieren jedem Menschen. Ich bin mit meiner Entscheidung, den Jakobsweg zu unterbrechen, sehr zufrieden. Vielen Dank an alle, mit denen ich darüber gesprochen habe und die mit mir die Zeit dazwischen mit schönen Gedanken und Begegnungen gefüllt haben! <3 Wer sich gerade mit Scheitern oder Planänderungen herumschlägt, kann ich den Podcast #79 von bevegt dazu empfehlen, vom Erfolg und Scheitern.

Kurz und gut: Die neue Herausforderung „Pilgern auf dem Nordküstenweg“ kann nun kommen!

Ich hoffe, dieses Mal klappt alles anders besser. Bisher bin ich sehr zuversichtlich.

Habt eine gute Zeit, passt auf euch auf und vergesst den Herbstputz nicht 😉 Viele Grüße, Beate

*Falls du aus dieser Gegend kommst, die Treffen werden von Insulinjunkie Matthias organisiert und auf seiner Facebook-Seite bekannt gegeben.

120km & Unterbrechung der Reise

Nach 120km Jakobsweg ist vorerst Schluss. Wie geht es weiter?

Seit drei Tagen bin ich nun vorerst wieder in Deutschland.

Wie meine ersten zwei Tage gelaufen sind, habe ich bereits hier berichtet.

Insgesamt ein schwerer Start und so sollte es die nächsten Tage auch weitergehen. 120km in 5 Tagen habe ich geschafft. Leider nicht so, wie ich wollte. Abends war es immer schön, bloß der Tag an sich eben nicht. Von den 120km waren geschätzte 90km auf Asphalt, teilweise schlecht markierte Abschnitte (was bei mir als Kartenlesegenie an die Nerven geht) und kaum eine Möglichkeit zum einkehren. Einen Tag habe ich komplett ohne Kaffee verbracht! Insgesamt ist mir das auf den Magen geschlagen, es gab viele Tränen, Schmerzen in den Füßen und Beinen und ich habe sehr sehr wenig gegessen. Wer mich kennt, weiß, was das heißt. Nun würde die nächste Zeit hinter Strasbourg so weiter gehen (hier war ich bereits wieder mehr als 25km nur auf Asphalt unterwegs), weshalb ich mich nach noch mehr Tränen und schmerzhaften Kilometern habe abholen lassen.

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Doch es gab auch gute Seiten: Viel Hilfsbereitschaft und Interesse, abends leckeres Essen, entweder in netter Gesellschaft oder auch in Ruhe für mich alleine. Auch der Blutzucker hat sich, bis auf einen Tag, meistens gut benommen. Auch, wenn mein CGM an einem Tag einfach gar nicht funktionieren wollte: Ich bin mehr als froh, ein solches System nutzen zu dürfen.

Die Strecke Landau in der Pfalz – Strasbourg kann ich mit einem kleinen leichten Rucksack schon empfehlen, am besten in einer kleinen Gruppe, damit genung Nahrung für alle eingepackt werden kann. Allerdings ist sie nicht zu empfehlen, wenn man wie ich gerade aus dem größten Endspurt-Uni-Abschieds-Masterabgabe-Stress herausrennt, mit einem großen Rucksack auf dem Rücken und nur zu 70% trainiert. Dazu noch wenig Schatten, kaum eine Möglichkeit, das Wasser aufzufüllen und entweder Hitze oder starker Regen.

Auf dem rechten Bild ist es leider nicht so gut zu erkennen: Eine Teilstrecke führte über einen Kilometer durch Gestrüpp, das höher war als ich selbst. So hatte ich nun also viele Kratzer. Dafür haben sich die Wanderstöcke nochmal als guter Abwehrschutz erwiesen. 🙂

Wie geht es weiter? Die Zeit zwischen Uni und Vorbereitungsdienst auf meinen Lehrberuf ist für mich etwas besonderes. Nicht umsonst hatte ich eine solche Tour geplant. Deshalb auch die Überschrift: Unterbrechung der Reise. Ich werde diese Woche also zum auskurieren meiner Schmerzen nutzen und überlegen, wie es weitergeht. Mir schweben schon verschiedene Optionen vor. Definitiv werde ich im September mit meiner Kindergarten- und Pilgerfreundin Jana den Jakobsweg auf dem Nordküstenweg in Spanien machen…

 

„Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sodern wenn du es ausprobierst.“

 

Jakobsweg II: Bald packe ich meinen Rucksack

Planung von 2.500km Jakobsweg und der Diabetes kommt mit.

Hallo liebe Leserin, hallo lieber Leser,

der ein oder andere mag es vielleicht schon mitbekommen haben, dem Rest verrate ich es heute: Ich gehe bald wieder pilgern. 2015 war ich bereits 600 km auf dem Camino frances gepilgert, habe vorher die Reise geplant , mich mit „ultraleichtem“ rucksackgegeigneten Diabetesequipment ausgestattet und mich danach über meine Erfahrungen gefreut. Schon damals habe ich geschrieben „Pilgern? Sicher nochmals!“

Zur Zeit schreibe ich meine Masterarbeit und werde mein Studium hoffentlich im Juli abschließen. Als zukünftige Lehrerin muss ich noch in die Praxisphase der Ausbildung und davor habe ich ein paar freie Monate. Womit könnte ich einige davon also besser füllen als erneut pilgern zu gehen?

Wegweiser

Ich werde circa 2.500km laufen

Geplant habe ich, in meinem Studienort zu starten – d.h. direkt vor der Haustür. Von dort geht es innerhalb ein oder zwei Tagen schon nach Frankreich, durch Frankreich hindurch und über die Pyrenäen nach Spanien. Dort werde ich spontan entscheiden, welchen Weg ich genau nehme (Camino frances oder den Küstenweg) und nach Santiago laufen. Dafür habe ich in etwa 3 Monate eingeplant und freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind 🙂 In den letzten Tagen habe ich schon ein paar Kleinigkeiten besorgt und mir neue Schuhe gekauft. Dieses Mal wird vieles anders: Ich laufe nicht mehr mit Wanderschuhen, sondern mit Trailschuhen. Und: Dieses Mal laufe ich mit meinem Dexcom-Sensor.

Die meiste Zeit werde ich alleine laufen, eventuell wird meine Kindergartenfreundin und Mitpilgerin Jana mich wieder ein paar hundert Kilometer begleiten.

Ich trage wieder einen 35+10Liter Rucksack mit mir herum und dem aufmerksamen Mathematiker wird auffallen: Häh, da passt doch niemals das ganze Diabetes-Zeug für 3 Monate rein. Das ist absolut richtig. Deshalb werde ich 2 bis 3 Pakete vorpacken und meine Eltern bitten, mir diese zu Poststationen zu schicken. Meine Dia-Ärztin ist schon informiert, auch bekomme ich dort den Quartalsbedarf aufgeschrieben. D.h. zwischendurch dürfte es nicht zu Lieferschwierigkeiten kommen.

Warum wieder der Jakobsweg?

Der Jakobsweg ist zunächst einmal ein vielerprobter Fernwanderweg mit einer recht guten Infrastruktur (Herbergen, Nahrung, Apotheken). Ich bin in der Natur und werde auch stundenlang keinen Menschen sehen, trotzdem bin ich nicht komplett abgeschieden von der Zivilisation. Vorteilhaft, falls ich zwischendurch wirklich die Tour abbrechen wollen würde – solch eine lange Tour habe ich noch nie gemacht und muss schauen, wie meine Motivation und mein Körper das mitmachen. Hinzu kommen unzählige Variationsmöglichkeiten der Wegenetze. Dass ich christlich-gläubig bin, ist kein Grund für oder gegen den Jakobsweg: Es kommt darauf an, was Du aus dem Weg machst. Ich werde bestimmt den ein oder anderen Gottesdienst auf dem Weg besuchen, grundsätzlich ist mir das aber egal, beten kann ich schließlich überall.

Wandern in der Pfalz

Nützliches

Ich habe bereits beim letzten Mal sehr von Tipps anderer Wanderer, Pilgerer und Webseiten profitiert, ein paar hänge ich euch an. Bestimmt werde ich hier oder in den Kanälen der sozialen Medien noch das ein oder andere zu meiner Reise teilen. Über Erfahrungen, speziell mit Typ-1-Diabetes, bin ich übrigens dankbar.

Bei Fragen, Motivation für die Endphase des Studiums, den Weg, Kritik oder ähnliches: Lass es mich in den Kommentaren wissen. Los geht’s hoffentlich im Juli. 🙂

Ich wünsche dir einen schönen Tag! Beate