Diabetes & Sport – nenn mich Lara Croft!

Diabetes und Sport ist wohl ein Thema für sich und bringt daher verschiedene Probleme mit sich: von der Einstellungen des Diabetes hin zu der Unterbringung des ganzen Equipments.

Bevor ich starten kann, muss ich mich erstmal mit meinem Blutzucker und der zu erwartenden Anstrengung sowie dem Tagesablauf vor und nach des Sports auseinandersetzen:

– Wie hoch sollte der Ausgangswert sein? Yoga erfordert einen anderen Wert als Spinning, Spinning einen anderen als Schwimmen.

– Ist mein Ausgangswert dann auch tatsächlich so wie angepeilt?

– Wann habe ich das letzte Mal etwas gegessen?

– Wann werde ich wieder etwas essen?

– Bin ich danach noch unterwegs oder bewege ich mich?

– Wie ist mein körperliches Befinden? (bei Frauen: Zyklus?!)

Dies bringt viele Überlegungen mit sich und erfordert einiges an Vorbereitungen wie Sport-BEs* , Reduktion des Insulins (Basal*- und Bolus*insulin), Ruhephasen und und und….die Unterbringung meines ganzen Equipments!

Zum Sport (wie walken, Yoga, Fitness, Radtour) benötige ich:

ein Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Stechhilfe, mindestens 4 Plättchen Traubenzucker, Müsliriegel oder ein Fruchtmus, Tempo, Schlüssel, Handy und Kopfhörer, Insulinpumpe, eventuell etwas zu trinken…also gefühlt drei Rucksäcke voll. Genau das muss speziell beim walken/joggen geschickt verstaut werden, ohne dass es mich behindert.

Meine Pumpe verstaue ich mittlerweile am liebsten im Sport-BH mit einer Silikonhülle oder in einer Seitentasche in meinen Sporthosen, die eigentlich für das Smartphone gedacht sind:

http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html
http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html

Bei Ilka von mein-diabetes-blog.com habe ich schon vor längerem einen Beitrag zum Thema Sport und sinnvollen Sporttaschen gelesen und mir deshalb eine flexible, gar nicht so hässliche Bauchtasche von oramics sport bestellt – da geht wirklich alles rein und sie hält, was sie verspricht!

 

Im Anschluss an meine ganzen Vorbereitungen kann ich einigermaßen „unbeschwert“ losstarten und sehe aus wie Lara Croft – könnte auch schlimmer sein 😉

 

Viel Spaß beim Sport wünscht beate_putzt

 

*Sport-BE: Sport-Berechnungseinheit, also das, was ich an Nahrung benötige, um meinen Körper in meinem persönlichen Sport-Blutzucker-Zielbereich zu halten. In meinem Fall schwankt das zwischen 150 – 250 mg/dl.

*Basisinsulin: als Basisinsulin bezeichnet man das Insulin, was die Grundversorgung des Diabetikers regelt unabhängig von Sport, Essen, Schlafen, etc. . In der Insulinpumpentherapie auch als Basalrate bezeichnet.

*Bolusinsulin: das Insulin, welches man zum Essen anrechnet

Selbstgemachter, fruchtiger Tomatenketchup

Heute bei beate_putzt: Ofengemüse mit Tomatenketchup.

Eins meiner Lieblingsgerichte, auch blutzuckertechnisch: gut zu berechnen, keine großen Schwankungen, sättigend und trotzdem leicht. Dazu brauch ich auch immer jede Menge Ketchup oder Quark.

Normaler Ketchup besteht gefühlt aus 60% Zucker, 30% Konservierungsstoffen, 5% Salz und 5% Tomaten…klar, schmeckt ab und an mal gut, aber ganz abgesehen von der Masse an schnellen Kohlenhydraten auch alles andere als gut für unseren Körper.

Deshalb heute mal wieder: selbstgemachten Ketchup.

Ich besitze einen Hochleistungsmixer, geht auch sehr gut mit dem normalen Mixer, dafür dann aber die Tomaten vorher eventuell zerkleinern.

Zutaten:

– 1 gute Handvoll Tomaten (ich nehme Cocktailrispentomaten)

– 3 getrocknete Antipasti-Tomaten

– Salz, Pfeffer

– frischer Basilikum

– 2 Esslöffel Tomatenmark

– optional: Sesam, Hefeflocken*

* Hefeflocken: der Ketchup ist je nach Tomatensorte recht flüssig, die Hefeflocken „saugen“ diese Flüssigkeit etwas auf. Zudem enthalten sie jede Menge B-Vitamine und Folsäure.

Diabetes-Technisch habe ich heute 1 BE angesetzt. Muss man natürlich ausprobieren.

Ich wünsch euch guten Appetit. beate_putzt

Aufreger der Woche: Behindert werden vs behindert sein

Ich studiere Lehramt für Förderpädagogik. Mit Diabetes Typ-1. Ohne Behindertenausweis.

Irgendwann möchte ich Lehrerin sein, am liebsten verbeamtet. Und ausnahmsweise muss ich sagen: TROTZ Diabetes und nicht MIT Diabetes.

Bei Diabetes ist der Behindertenausweis immer wieder Diskussionsthema. Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach ist der Diabetes nichts, was mich behindert. Er fordert Aufmerksamkeit, ich muss mich kümmern und selbst wenn ich mich kümmere, zickt er trotzdem oft. Trotzdem möchte ich aus verschiedenen Gründen keinen Behindertenausweis (z.B. wegen der Versicherung).

Von rechtlicher Seite steht mir dieser zu, wenn ich ihn beantrage. Meine Eltern haben sich damals dagegen entschieden und ich bisher auch. Würde ich ihn beantragen, ist als insulinpflichtiger Diabetiker zwischen 30 – 50% als Behinderungsgrad zu rechnen.

Die Rechtslage in meinem Bundesland sieht zur Zeit leider so aus: wenn ich mich nicht behindern lasse, kann ich nicht verbeamtet werden. Dann bin ich nur krank.

Wenn ich einen Ausweis habe, brauche ich mindestens 30%. Sonst bin ich nicht behindert genug. Dann wäre ich ebenfalls nur krank.

Momentan warte ich noch ab und beantrage den Ausweis nicht – habe ich ihn einmal, hab ich ihn immer…auch wenn er ausläuft (man muss ihn regelmäßig neu beantragen: ja, ich lasse mich weiterhin behindern!): der Vermerk ist noch da.

 

Manch einem mögen diese Zeilen abgeschmackt vorkommen. Ich arbeite im Bereich mit und für Menschen mit Behinderung. Nicht nur deshalb sehe ich diesen Ausweis sehr kritisch. Ich verstehe, dass man dadurch Nachteilsausgleich (nicht Vorteile!) erhält. Die Vergabe der Prozente erscheint mir leider oft willkürlich, genauso wie die Entscheidung über ein BVermerk : mit Begleitung.

Gerade im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention wünsche ich mir eine Überarbeitung dieser Ausweise…vielleicht sagt dem einen oder anderen das „neue“ Modell ( http://www.pflegewiki.de/wiki/ICF ) etwas: der Mensch ist mehr als seine Behinderung. Behinderung kann auch durch Kontexte entstehen. D.h. konkret: der Rollstuhlfahrer ist nicht dadurch behindert, dass er im Rollstuhl sitzt – sondern vor allem durch fehlende barrierefreie Zugänge. Der Blinde nicht dadurch, dass er blind ist, sondern dass ihm im Alltag barrierefreie Zugänge z.B. an den Einkaufszetteln (Blindenschrift?!) fehlen.

Heißt auch für mich als Diabetiker: ich bin nicht behindert, ich werde behindert! Durch ebendiese Gesetze, durch die geringe Übernahme von moderner Technik (CGM, FGM,…) und auch durch schlechte Ärzte, die mich nicht in einer selbstbestimmten Therapie unterstützen wollen/können.

 

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Hoffentlich ein faires Verfahren, denn:

 

[…]Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteilig werden. (Artikel 3, Absatz 3, GG)

 

 

„Voll behindert“ , diese Rechtslage! beate_putzt

Mein Typ 1 – Diabetes – die Geschichte meines Apparätchens und mir

Halle Berry hat es. Matthias Steiner hat es. Anja Renfordt hat es. Dimo Wache hat es. Ich hab es.

Beate, 24 Jahre alt, seit 21 Jahren Typ-1-Diabetikerin.

Ich möchte mit diesem Artikel gern einige Informationen über Diabetes zusammenfassen und ein paar meiner Erfahrungen teilen.

Die Krankheit Diabetes („Zucker“) ist das drittgrößte „Land“ dieser Welt. Das Diabetes-Land teilt sich in mehrere Typen auf, die zwei bekanntesten Typen sind Typ 1 und Typ 2 Diabetes. Alle Typen haben gemeinsam, das etwas mit ihrer Insulinproduktion oder -verarbeitung nicht stimmt. Insulin ist der „Schlüssel“ für unsere Zellen, um für die Glukose aufzuschließen. Ohne Insulin ist der Zugang versperrt und der Diabetiker hat zwar genug „Zucker“ im Blut, jedoch nicht in den Zellen.

Typ-1-Diabetes entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse (bzw. die Langerhansschen Inselzellen) kein Insulin mehr produziert, es herrscht ein absoluter Insulinmangel.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, die durch weitgehend noch ungeklärte Faktoren ausgelöst wird. Da der Körper selbst kein Insulin mehr produzieren kann, muss dieses von außen zugeführt werden, in Form von Spritzen oder einer Insulinpumpe.

Ohne Insulin fällt der Mensch irgendwann in ein Koma, welches tödlich enden kann! Typ-1-Diabetes ist AUSSCHLIESSLICH NUR MIT INSULIN BEHANDELBAR!

Typ-2-Diabetes wird heute auch oft als „Lifestyle-Diabetes“ bezeichnet und ist in der Regel das,

was „deine Oma“ auch hat und bei der die „ganz tolle Low-Carb-Low-Sugar-Diet so suuuuper funktioniert hat“.

Das ist im übrigen nicht so. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin in nicht ausreichender Form und/oder die Insulinrezeptoren wollen das Insulin nicht richtig annehmen und verarbeiten, man spricht von Insulinresistenz.

Die Mehrheit der Diabetiker im Diabetes-Land sind Typ-2-Diabetiker. Die Zahlen steigen sogar weiter an. Risikofaktoren hierfür sind Übergewicht, falsche Ernährung und die Gene.

Anders als beim Typ-1-Diabetes wird beim Typ-2 noch Insulin produziert, leider in nicht ausreichender Menge. Behandelt wird mit Tabletten, teilweise Insulin, der Erhöhung von Bewegung sowie einer Ernährungsumstellung. Auch bei einer „LowFat-LowCarb-LowSugar-lowWTF“-Diät gilt: hört man mit der Einstellung auf (keine Tabletten/Insulin/gesunde Ernährung/weniger Bewegung), kehrt der Diabetes „zurück“.

Grundsätzlich gilt: Diabetes ist noch nicht heilbar!

Dann darfst du ja gar keinen Zucker mehr essen!“ „Hast du die Pumpe auch nachts an?“

Nächstes Jahr feiere ich 20 Jahre Diabetes-Jubiläum und führe weitestgehend ein „normales“ Leben. Ich trage 24 Stunden lang eine Insulinpumpe, die mit einem Schlauch und einer Nadel (sog. Katheter), die in mein Unterhautfettgewebe führt, mit meinem Körper verbunden ist. Den Katheter muss ich alle zwei bis drei Tage wechseln, also einen neuen in den Bauch oder das Gesäß stechen. Die Insulinpumpe ermöglicht mir mehr Flexibilität im Alltag und eine feinere Einstellung, denn ich kann die Insulinausschüttung an die eines Stoffwechselgesunden anpassen. Zum schwimmen, duschen oder Sauna lege ich die Pumpe ab.

Ich kann, darf und möchte alles essen, was mir schmeckt! Aber vorher muss ich meinen Blutzucker checken, muss die Kohlenhydrate des Essens abschätzen und zusammenrechnen und über meine Pumpe mit Insulin abdecken.

Ist das die schlimme Form?“ „Sei froh, es könnte schlimmer kommen, es ist schließlich kein Krebs!“

Ich habe keinen Krebs, aber ich habe eine chronische Krankheit, die von mir 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, volle Aufmerksamkeit und Disziplin erfordert, um Leistung zu bringen. Das kostet mich manchmal jede Menge Kraft und kann auch schonmal nerven.

Mit einer angemessenen Behandlung lebe ich meistens ganz gut vor mich hin (von rechtlichen Schwierigkeiten bei Verbeamtung / Versicherungsabschlüssen wie z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung abgesehen, aber das würde zu weit führen).

(Dieser Artikel erschien 2013 in ähnlicher Form in der Universitätszeitung meiner Universität)