Reisen mit Diabetes im Rucksack

Die Vorbereitungen für meine Reise auf dem Jakobsweg sind fast abgeschlossen. Eine besondere Herausforderung ist die Planung für meinen Diabetes: Insgesamt darf nicht mehr als 10kg in den Flieger und auch auf dem Weg sollten es nicht viel mehr Kilogramm auf dem Rücken sein.

Kleidungstechnisch beschränkt sich der Pilger auf ein Outfit am Körper und eines im Rucksack. Ich als pilgernde Diabetikerin muss mir dagegen mehr Gedanken machen und so habe ich in den letzten Wochen einiges gerechnet und ausprobiert: Wie viel ist zu viel an Equipment, wie viel ist zu wenig? Ist ein Katheter mit integrierter Setzhilfe eventuell besser? Werde ich jeden Tag mit Unterzuckerungen zu tun haben beziehungsweise wie viel Insulin kann ich von Beginn an reduzieren?

Ganz genaue Antworten kann ich noch nicht einmal für meinen eigenen Körper geben. Meine Hochrechnungen möchte ich gerne zum Erfahrungsaustausch mit euch teilen.

Wenn ein Diabetiker auf Reisen geht...
Wenn ein Diabetiker auf Reisen geht…

Mein Equipment ist etwas mehr als zuhause, da ich gerne mehr mitnehme, als ich benötige. Ich rechne mit bis zu 10x messen pro Tag, nehme also 300 Teststreifen und 52 Lanzetten mit (ich habe zwei Stechhilfen, die ich zwei Mal täglich wechsle).

Normalerweise wechsle ich alle 3 Tage den Katheter, habe jetzt für etwas mehr als alle 2 Tage Katheterwechsel eingepackt – die Hälfte davon ohne Schlauch. Ich nehme auch Desinfektionsmittel mit – Katheter halten bei mir besser, wenn ich vor dem Setzen die Haut entfette (sprühen – wischen – nochmal sprühen und trocknen lassen). Den Katheter werde ich mit Kinesiotape fixieren.

Wichtig natürlich auch Ersatzmessgerät und Pumpe und das Formular für den Flughafen vom Arzt (bisher noch nie benötigt, aber man weiß ja nie….). An Insulin nehme ich zwei Ampullen mit – normalerweise reicht mir eine 315ml Ampulle für 5 Tage. Falls ein Fläschchen oder das Insulin kaputt geht, habe ich somit genug Ersatz. Gekühlt wird nur das noch nicht genutzte Insulin in den Frio-Taschen. Da meine Insulinpumpe direkt am Körper ist, ist eine Kühlung nicht zwingend notwendig.

Meine Hypohelfer werden Trockenobst, Traubenzucker und ein paar Zucker-Gele (werde von Dextro Energy sowie Cola-Geschmack-High-Energy von Decathlon testen). Saft ist zunächst zu schwer und darf auch nicht mit in den Flieger.

Die Ersatzbatterien für Pumpe und Messgerät sowie die Batteriefachdeckel und Ampulle einschließlich Ampullendeckel (doppelter Bedarf) eingepackt und fertig!

Insgesamt kann ich so etwas mehr als einen Jutebeutel vollstopfen! Aber was muss, das muss – schließlich muss ich für alles gerüstet sein. Das Messgerät und ein paar Traubenzucker werde ich entweder ganz oben in den Rucksackdeckel packen oder vorne in eine Bauchtasche. Das restliche Equipment packe ich in einen Wäschenetz und wenn ich etwas brauche, kann ich es ganz flott komplett ohne viel kramen aus dem Rucksack holen. Genauso werde ich es auch mit meinem zweiten Outfit machen.

Bald geht’s los. 🙂 Wie es blutzuckertechnisch lief, werde ich sicherlich berichten. Viele liebe Grüße von beate_putzt

Gedankenspiel & Reiseplanung

Seit einem halben Jahr spiele ich mit dem Gedanken, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. So langsam wird es wirklich konkret, denn ich habe mich vorgestern dazu entschlossen, im September loszulaufen. Irgendwo in Spanien soll es losgehen.

Gestern habe ich das begeistert einer Freundin erzählt, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe und sie so begeistert, dass sie sehr wahrscheinlich mitlaufen wird.

Pilgern? Warum pilgern? Warum stundenlang durch die Gegend laufen?

Obwohl ich katholisch bzw. christlich-gläubig bin, hätte ich diese Frage vor ein paar Jahren noch jedem gestellt. Was soll mir das bringen, zu irgendwelchen Marienfiguren zu laufen?

Marienfiguren interessieren mich immer noch nicht sonderlich.

  • Ich freue mich auf neue Menschen, die man im gehen kennen lernt
  • Die Gedanken, die ich sonst im Alltagsstress verdränge und dann vielleicht Zeit finden, beachtet zu werden
  • Ich freue mich auf neue körperliche Herausforderungen, da ich momentan ohne konkret zu sein, an die 450km geplant habe
  • Ich freue mich auf den Abstand vom Alltag und meine Rolle im Alltag, Zeit für mich und sonst niemand. Ich freue mich auf die Reiseumgebung, da ich kein All-inklusive-Urlauber bin und mir dort erhoffe, möglichst viel von der Umgebung mitzubekommen
  • Ich freue mich auch auf die Mehr-Zeit mit Gott, Mehr-Zeit zum beten, danken und beschweren
  • Ich freue mich auf alles, von dem ich noch gar nicht weiß, was mich erwartet

Warum Spanien? Ginge doch auch z.B. in Deutschland?

Das ist völlig richtig. Im September ist in Spanien aber die perfekte Reisezeit zum pilgern, es sei wohl nicht mehr so überlaufen, trotzdem könne man Leute kennenlernen. Außerdem: andere Länder, andere Sitten. Bessere Pilgerinfrastruktur zum Beispiel. Und außerdem auch: das Endziel eines der vielen Jakobswege ist nunmal Santiago de Compostela. Von dort aus soll es weitergehen zum Kap Finisterra, um dort noch ein paar Tage am Strand zu verbringen.

Vorbereitungen

Seit einem halben Jahr lese ich immer wieder auf Pilgerseiten und unterhalte mich mit gläubigen und nicht-gläubigen Menschen, die den Jakobsweg gegangen sind. Mittlerweile habe ich mich entschieden, nicht in Wanderschuhen zu laufen. Die Entscheidung, ob es Trail- oder Runningschuhe werden, muss ich noch treffen. Grundsätzlich benötige ich noch einen Rucksack. Mein ganzes Gepäck sollte auch mit Zuckerzeug immer noch leicht und kompakt sein. Da muss ich in den nächsten Tagen noch Vorbereitungen treffen genauso wie die genaue An- und Abreise zu planen. Ich habe noch nicht so die genaue Ahnung, an was ich alles denken muss. Auch, inwieweit ich mein Blutzuckerequipment möglichst leicht gestalten kann (für Tipps wäre ich dankbar! Wollte z.B. mal den Mio-Katheter mit integrierter Setzhilfe testen?).

 

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Kultur und Reisen.
Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise! – Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

Liebe Grüße von der reisefiebernden beate_putzt

Meinen Diabetes erleben oder: Being a Dia-BAT-Ass

Beate, Diabetikerin, „die mit dem Zucker“, Dia-bad-ass und Dia-BAT-Ass.

Mein gesamtes Umfeld weiß, dass ich Diabetes habe – meine Freunde und Bekannte, meine Arbeitskollegen und auch die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die ich betreue. Ich muss in der Lage sein, jedem mir nahe stehenden Menschen meinen Diabetes zu erklären, denn es ist schließlich nicht der, den „die Omma auch hat“.

Die Reaktionen sind unterschiedlich und spannend.

Eine junge Erwachsene mit geistiger Behinderung fragt mich oft, was ich gerade mache, wenn ich meinen Blutzucker teste. „Weißt du doch, was mach ich denn?“ – „En Pieks machste, en Piiiieks.“ – „Richtig. Und warum?“ – „Nach em Zucker guckste, nach deinem Zucker!“ Wenn ich dann etwas zu tief bin und Saft zu mir nehme, wird das für die anderen auch kommentiert „En Saft nimmt se, dass se net umfällt.“

„Oh, so schlimm ist das nicht, oder?!“

Dieses Erfahrungswissen von ihr und vor allem, die Bereitschaft, sich etwas erklären zu lassen und offen zu sein für meine und andere Erkrankungen ist etwas, was ich gerade im Unialltag oft vermisse. Dort ist die Reaktion oft negativer und reicht von „Oh, so schlimm ist das aber auch net, oder? Kommst ja gut damit zurecht, oder?“ und „Ich muss echt aufpassen, dass ich das nicht bekomme, aber ich mach ja auch viel Sport und so…“.

Die erste Reaktion ist für mich soweit noch in Ordnung. Natürlich sollte ich eigentlich darauf antworten, dass es nicht schlimm ist, jemals war und jemals sein wird… 😉 Ich weigere mich immer öfter, so zu reagieren und antworte meistens etwas, dass ich mit Diabetes gut leben kann, es aber ein 24/7-Job zusätzlich zu meinem restlichen Pensum ist, das viel Disziplin und Organisation erfordert. Egal, ob ich schlafen will, lernen muss, krank bin oder betrunken in der Disco rumfalle (bzw, dass ich das so lieber nicht machen sollte).

Die zweite Äußerung, die nach der Erklärung kam, was Typ-1-Diabetes eigentlich ist, hat mich verletzt und sprachlos hinterlassen. Man redet und redet und redet…es kommt nichts an und man wird indirekt dann doch angeschuldigt, selbst Schuld an seiner Erkrankung zu sein. Ich habe dann nur nochmal gesagt „Ich habe eine Autoimmunerkrankung. Ich KANN nichts dafür. Ich treibe auch Sport und ernähre mich gesund!“ Wie reagiert ihr bei so etwas?

Klischee "Das ist-Diabetikes"-T-Shirt oder Bad-Taste-Party?!
Ein Klischee „Das ist-Diabetes“-T-Shirt oder Bad-Taste-Party?!

Ich bin mehr als nur ein Wert!

Ein weiterer Teil meines Dia-BAT-Ass-Lebens sind Stimmungsschwankungen, die teilweise vom Blutzucker abhängig sind. Habe einen Bekannten neulich über meine Unterzuckersymptomatik aufgeklärt und, dass  ich dann auch mal zickig werden kann.

„Och wie praktisch, kaum biste zickig, kannstes auf deinen Wert schieben.“ – ich war ihm nicht böse. Nachdenklich hat mich der Satz trotzdem gemacht. Ist das so? Kann und darf ich meinen Blutzucker auf meine Gefühle Einfluss nehmen lassen? JA! DAS DARF ICH! Es ist ein Teil von mir, ein Teil meines Stoffwechsels…Werte schlecht, Laune schlechter. Laune schlecht, Werte schlechter. Isso. Fast immer. Punkt.

Das hat auch seine Vorteile. Meine Mitbewohnerin hat mich vor kurzem gefragt, warum ich jetzt so schlecht gelaunt sei. Ich habe daraufhin mal getestet, ein Wert von über 300mg/dl inklusive Schwindel, Sehstörung, Durst und schlechter Laune. Habe den Wert gesehen, ihn mir bewusst gemacht und schon ging es besser. Ein weiteres Mal ist einer Freundin von mir beim tanzen aufgefallen, dass es mir nicht gut gehen kann – ihrer Beschreibung nach war ich auf einmal sehr angespannt. Ich wollte in dem Moment sowieso messen, weil es mir selbst aufgefallen ist. Ergebnis: Unterzuckert auf der Tanzfläche, die Anspannung war berechtigt.

Dann kann ich mich doch auf meinem Diabetes ausruhen! Oder?

Ich denke nicht, dass wir uns auf unserem Diabetes ausruhen dürfen. Dass ich von meinen Werten mitbeeinflusst werde und meine Laune auch die Werte beeinflusst – ist so und ich nehme mir das Recht heraus, mit Achtsamkeit damit umzugehen und meine Mitmenschen möglichst nicht darunter leiden zu lassen. Weshalb ich eben aufkläre. „Es kann sein, dass ich gerade im Unterzucker mal zickig und schlecht gelaunt werde.“ Und mir dann die Diskussion nicht erspare, was „der Zucker“ eigentlich ist, die Reaktionen darauf wahrnehme, mich über diese freue oder auch mal ärgere…alles in allem, also eines ganz gut bin: ein Dia-BAT-Ass.

 

Liebe Freunde und Familie, vielen Dank für eure Unterstützung, euer Verständnis und eure Aufmerksamkeit!

Liebe dedoc…diabrofist!

Alles Gute, beate_putzt

 

Das erste Mal mit Diabetes – eine Blogparade

Lea hat zu einer Blogparade aufgerufen: das erste Mal mit Diabetes. Fast 21 Jahre nach der Diagnose kein ganz so leichtes Thema, aber es gibt sie doch, die ersten Male in letzter Zeit oder die prägnanten, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

 

Die erste Diabetes-Kinderschulung

Meine Eltern haben mich irgendwann mit circa 6 Jahren angemeldet, diagnostiziert wurde mein Diabetes schon mit 3,5 Jahren. Eine der jüngsten auf dieser Veranstaltung und eine derjenigen, die damals schon herausragend gut geschult war. Das soll jetzt nicht arrogant wirken, diese Tatsache habe ich einzig und alleine meiner Mama zu verdanken, die sich nach bestem Wissen und Gewissen für mich eingesetzt hat. Eine meiner Standardsprüche war dort „ich darf das nicht so machen hat meine Mama gesagt.“ Meine Werte waren auch grundsätzlich nie so schlecht wie auf den Diabetiker-Kinderschulungen – war ich später auf mich alleine gestellt, hat alles besser gepasst 😀 Am Lustigsten empfinde ich bis heute die Tatsache, dass ich bei einer nächtlichen Unterzuckerung nicht nur Apfelsaft trinken, sondern auch noch zusätzliche langsame Kohlenhydrate wie Milchschnitte oder Joghurt essen MUSSTE. Eine schlaftrunkene, unterzuckerte Beate, die nicht essen will und immer wieder viel zu hohe Werte am nächsten Tag durch diese Aktionen….die Erinnerung an die ersten Kinderschulungen.

 

Die erste Pumpe

Meine erste Pumpe habe ich in den Ferien 2002 in Bad Mergentheim bekommen. Damals war ich 11, gerade in der 5. Klasse und es war eine D-tron plus, auf die ich richtig richtig stolz war. Anfangs trug ich sie immer noch um den Hals (heute unvorstellbar, da unbequem), später am Gürtel und mittlerweile probiere ich immer wieder neues aus, standardmäßig am BH oder in der Hosentasche.

 

Das erste Mal bouldern – mit Pumpe

Dieses erste Mal war erst vor kurzem. Nach jahrelangem Zögern habe ich mir dieses Jahr das Ziel gesetzt, wenigstens das Klettern und Bouldern ma auszuprobieren. Zuckertechnisch habe ich alles wie beim normalen Sport behandelt, aber die Frage nach der Pumpenverstauung nahm doch noch einige Zeit in Anspruch. Letztlich habe ich gewechselt (je nach Boulderstrecke) zwischen Clip am Oberteil vorne und am hinteren Hosenbund angeclipst.

 

Das erste Mal nächtlich unterzuckert in meiner WG

In meiner WG bin ich bisher zweimal nachts so stark unterzuckert, dass ich auf Hilfe von meinen Mitbewohnerinnen angewiesen war. Die erste nächtliche war nach mehrern Gläsern Federweißern, der neue Wein, verhält sich auf den Blutzucker ähnlich wie Traubensaft DACHTE ich. Der Blutzucker steigt zwar radikal an, aber sinkt radikal schnell (viiiel zu schnell) bei Berechnung ab. Meine liebe Mitbewohnerin hat genau richtig reagiert: Saft nicht im Glas in die Hand gedrückt (ich war schon am Krampfen), mich zum trinken gezwungen und beobachtet, wie es mir geht. Im Endeffekt war sie gar nicht so sehr geschockt, dafür ich, dass ich auf Hilfe angewiesen war und in meinem emotionalen „Ich-komme-wieder-zu-mir-Zustand“ erstmal ne Runde geweint. Vielen Dank L. für die Betreuung 😉 <3

 

Das erste Mal „was machst du denn da/was ist das/bist du verletzt?“

Dieses erste Mal habe ich (wie andere Diabetiker auch) immer dann, wenn ich neue Menschen kennenlerne oder fremde Menschen in der Uni/in der Bahn/wo auch immer neben mir sitzen und ich mich um meinen Diabetes kümmere. Genau dann können die tollsten Gespräche entstehen oder auch der geliebte Hass-Satz folgen „Ah Zucker, hat meine Oma auch!“

 

Ich freu mich auf die vielen weiteren ersten Male und freu mich auch, von euren zu lesen. So entdeck ich dann auch noch mehr neue (Diabetes-)blogs.

Auf die ersten Male! Prost (ohne Federweißer zu berechnen!), beateputzt

Was motiviert dich?

Motivation. Ein Wort, so oft gesagt, oft wenig vorhanden. Extrinsische Motivation (Motivation von außen durch Belohnung / Bestrafung / andere Anreize) versus intrinsische Motivation (von innen, „einfach vorhanden“).

Immer benötigt: im Beruf, im Sport, in der Diabetestherapie. Ohne Motivation läuft gar nichts.

Was motiviert wirklich?

Mir helfen keine schlauen Ratgeberbücher à la: „Bastel dir eine visuelle Hundehütte und lass den Schweinehund eine Stunde schlafen!“ – bitte was? Bringt mir ja mal gar nix!

Wichtig ist für mich: einfach mal anfangen und möglichst noch Spaß haben!

Beim Thema Bewegung und Sport kann das sein, jeden Tag eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Ich treffe mich auch gern mit Freunden, weniger zum Leistungsvergleich als eher zum vorher und nachher quatschen und sich über das gemeinsame Workout zu freuen.

Im Unialltag hilft es mir, mich wirklich in die Bib zu setzen oder an den Küchentisch – am Schreibtisch mache ich (zumindest momentan) immer nur Prokastination deluxe.

Problem: Diabetestherapie?!

Wir Diabetiker als lebenslang chronisch Erkrankte haben zu unserem normalen Leben noch einen  24h-Job. Ich habe oft mit Gewissensbissen zu kämpfen: das hättest du genauer/besser/anders machen sollen!!! Du darfst das nicht alles so lasch machen!!!

Auf der anderen Seite dann wieder „ist mir jetzt alles zu kompliziert/anstrengend!“ und „Den Basalratentest kann ich auch noch in trölf Wochen machen!“.

Ich weiß, dass es anderen genauso geht. Trotzdem: „die anderen“ sind meistens auch schlechter geschult als ich, haben alleine dadurch schon andere Voraussetzungen. Zusätzlich hat jedeR seinen ganz anderen Lebens- und Therapieansatz (das ist auch verdammt gut so!). Im Konsens bleibt aber, dass wir mehr oder weniger regelmäßig mit einem schlechtem Gewissen zu kämpfen haben.

Bei mir ist es weniger das messen oder berechnen an sich, sondern eher das Tagebuch führen und die Reflektion am Abend: was war gut, was war schlecht?

Mach den erten Schritt!
Mach den erten Schritt!

In letzter Zeit bin ich wieder aktiv dabei, mein Monster zu zähmen. MySugr – ich bin wieder da! Und siehe da: die Regel „Ich mach das jetzt einfach mal einen Monat lang und warte ab, was passiert“ hilft mir auch wieder. Seit zwei Wochen tippe ich fleißig meine Werte in die App. 🙂 Insgesamt gesehen hat sich dadurch schon meine Blutzuckereinstellung verbessert (ja, ohne Doku geht’s zumindest bei mir nicht) und ich reflektiere auch etwas mehr.

Fazit: ich kann jedem nur raten, sein persönliches Motivationsmotto zu finden und vieles immer wieder auszuprobieren – scheitern gehört dazu und Motivationsverlust ebenso.

Viel Motivation von beate_putzt

Diabetes & Sport – nenn mich Lara Croft!

Diabetes und Sport ist wohl ein Thema für sich und bringt daher verschiedene Probleme mit sich: von der Einstellungen des Diabetes hin zu der Unterbringung des ganzen Equipments.

Bevor ich starten kann, muss ich mich erstmal mit meinem Blutzucker und der zu erwartenden Anstrengung sowie dem Tagesablauf vor und nach des Sports auseinandersetzen:

– Wie hoch sollte der Ausgangswert sein? Yoga erfordert einen anderen Wert als Spinning, Spinning einen anderen als Schwimmen.

– Ist mein Ausgangswert dann auch tatsächlich so wie angepeilt?

– Wann habe ich das letzte Mal etwas gegessen?

– Wann werde ich wieder etwas essen?

– Bin ich danach noch unterwegs oder bewege ich mich?

– Wie ist mein körperliches Befinden? (bei Frauen: Zyklus?!)

Dies bringt viele Überlegungen mit sich und erfordert einiges an Vorbereitungen wie Sport-BEs* , Reduktion des Insulins (Basal*- und Bolus*insulin), Ruhephasen und und und….die Unterbringung meines ganzen Equipments!

Zum Sport (wie walken, Yoga, Fitness, Radtour) benötige ich:

ein Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Stechhilfe, mindestens 4 Plättchen Traubenzucker, Müsliriegel oder ein Fruchtmus, Tempo, Schlüssel, Handy und Kopfhörer, Insulinpumpe, eventuell etwas zu trinken…also gefühlt drei Rucksäcke voll. Genau das muss speziell beim walken/joggen geschickt verstaut werden, ohne dass es mich behindert.

Meine Pumpe verstaue ich mittlerweile am liebsten im Sport-BH mit einer Silikonhülle oder in einer Seitentasche in meinen Sporthosen, die eigentlich für das Smartphone gedacht sind:

http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html
http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html

Bei Ilka von mein-diabetes-blog.com habe ich schon vor längerem einen Beitrag zum Thema Sport und sinnvollen Sporttaschen gelesen und mir deshalb eine flexible, gar nicht so hässliche Bauchtasche von oramics sport bestellt – da geht wirklich alles rein und sie hält, was sie verspricht!

 

Im Anschluss an meine ganzen Vorbereitungen kann ich einigermaßen „unbeschwert“ losstarten und sehe aus wie Lara Croft – könnte auch schlimmer sein 😉

 

Viel Spaß beim Sport wünscht beate_putzt

 

*Sport-BE: Sport-Berechnungseinheit, also das, was ich an Nahrung benötige, um meinen Körper in meinem persönlichen Sport-Blutzucker-Zielbereich zu halten. In meinem Fall schwankt das zwischen 150 – 250 mg/dl.

*Basisinsulin: als Basisinsulin bezeichnet man das Insulin, was die Grundversorgung des Diabetikers regelt unabhängig von Sport, Essen, Schlafen, etc. . In der Insulinpumpentherapie auch als Basalrate bezeichnet.

*Bolusinsulin: das Insulin, welches man zum Essen anrechnet

Selbstgemachter, fruchtiger Tomatenketchup

Heute bei beate_putzt: Ofengemüse mit Tomatenketchup.

Eins meiner Lieblingsgerichte, auch blutzuckertechnisch: gut zu berechnen, keine großen Schwankungen, sättigend und trotzdem leicht. Dazu brauch ich auch immer jede Menge Ketchup oder Quark.

Normaler Ketchup besteht gefühlt aus 60% Zucker, 30% Konservierungsstoffen, 5% Salz und 5% Tomaten…klar, schmeckt ab und an mal gut, aber ganz abgesehen von der Masse an schnellen Kohlenhydraten auch alles andere als gut für unseren Körper.

Deshalb heute mal wieder: selbstgemachten Ketchup.

Ich besitze einen Hochleistungsmixer, geht auch sehr gut mit dem normalen Mixer, dafür dann aber die Tomaten vorher eventuell zerkleinern.

Zutaten:

– 1 gute Handvoll Tomaten (ich nehme Cocktailrispentomaten)

– 3 getrocknete Antipasti-Tomaten

– Salz, Pfeffer

– frischer Basilikum

– 2 Esslöffel Tomatenmark

– optional: Sesam, Hefeflocken*

* Hefeflocken: der Ketchup ist je nach Tomatensorte recht flüssig, die Hefeflocken „saugen“ diese Flüssigkeit etwas auf. Zudem enthalten sie jede Menge B-Vitamine und Folsäure.

Diabetes-Technisch habe ich heute 1 BE angesetzt. Muss man natürlich ausprobieren.

Ich wünsch euch guten Appetit. beate_putzt

Aufreger der Woche: Behindert werden vs behindert sein

Ich studiere Lehramt für Förderpädagogik. Mit Diabetes Typ-1. Ohne Behindertenausweis.

Irgendwann möchte ich Lehrerin sein, am liebsten verbeamtet. Und ausnahmsweise muss ich sagen: TROTZ Diabetes und nicht MIT Diabetes.

Bei Diabetes ist der Behindertenausweis immer wieder Diskussionsthema. Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach ist der Diabetes nichts, was mich behindert. Er fordert Aufmerksamkeit, ich muss mich kümmern und selbst wenn ich mich kümmere, zickt er trotzdem oft. Trotzdem möchte ich aus verschiedenen Gründen keinen Behindertenausweis (z.B. wegen der Versicherung).

Von rechtlicher Seite steht mir dieser zu, wenn ich ihn beantrage. Meine Eltern haben sich damals dagegen entschieden und ich bisher auch. Würde ich ihn beantragen, ist als insulinpflichtiger Diabetiker zwischen 30 – 50% als Behinderungsgrad zu rechnen.

Die Rechtslage in meinem Bundesland sieht zur Zeit leider so aus: wenn ich mich nicht behindern lasse, kann ich nicht verbeamtet werden. Dann bin ich nur krank.

Wenn ich einen Ausweis habe, brauche ich mindestens 30%. Sonst bin ich nicht behindert genug. Dann wäre ich ebenfalls nur krank.

Momentan warte ich noch ab und beantrage den Ausweis nicht – habe ich ihn einmal, hab ich ihn immer…auch wenn er ausläuft (man muss ihn regelmäßig neu beantragen: ja, ich lasse mich weiterhin behindern!): der Vermerk ist noch da.

 

Manch einem mögen diese Zeilen abgeschmackt vorkommen. Ich arbeite im Bereich mit und für Menschen mit Behinderung. Nicht nur deshalb sehe ich diesen Ausweis sehr kritisch. Ich verstehe, dass man dadurch Nachteilsausgleich (nicht Vorteile!) erhält. Die Vergabe der Prozente erscheint mir leider oft willkürlich, genauso wie die Entscheidung über ein BVermerk : mit Begleitung.

Gerade im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention wünsche ich mir eine Überarbeitung dieser Ausweise…vielleicht sagt dem einen oder anderen das „neue“ Modell ( http://www.pflegewiki.de/wiki/ICF ) etwas: der Mensch ist mehr als seine Behinderung. Behinderung kann auch durch Kontexte entstehen. D.h. konkret: der Rollstuhlfahrer ist nicht dadurch behindert, dass er im Rollstuhl sitzt – sondern vor allem durch fehlende barrierefreie Zugänge. Der Blinde nicht dadurch, dass er blind ist, sondern dass ihm im Alltag barrierefreie Zugänge z.B. an den Einkaufszetteln (Blindenschrift?!) fehlen.

Heißt auch für mich als Diabetiker: ich bin nicht behindert, ich werde behindert! Durch ebendiese Gesetze, durch die geringe Übernahme von moderner Technik (CGM, FGM,…) und auch durch schlechte Ärzte, die mich nicht in einer selbstbestimmten Therapie unterstützen wollen/können.

 

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Hoffentlich ein faires Verfahren, denn:

 

[…]Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteilig werden. (Artikel 3, Absatz 3, GG)

 

 

„Voll behindert“ , diese Rechtslage! beate_putzt

Mein Typ 1 – Diabetes – die Geschichte meines Apparätchens und mir

Halle Berry hat es. Matthias Steiner hat es. Anja Renfordt hat es. Dimo Wache hat es. Ich hab es.

Beate, 24 Jahre alt, seit 21 Jahren Typ-1-Diabetikerin.

Ich möchte mit diesem Artikel gern einige Informationen über Diabetes zusammenfassen und ein paar meiner Erfahrungen teilen.

Die Krankheit Diabetes („Zucker“) ist das drittgrößte „Land“ dieser Welt. Das Diabetes-Land teilt sich in mehrere Typen auf, die zwei bekanntesten Typen sind Typ 1 und Typ 2 Diabetes. Alle Typen haben gemeinsam, das etwas mit ihrer Insulinproduktion oder -verarbeitung nicht stimmt. Insulin ist der „Schlüssel“ für unsere Zellen, um für die Glukose aufzuschließen. Ohne Insulin ist der Zugang versperrt und der Diabetiker hat zwar genug „Zucker“ im Blut, jedoch nicht in den Zellen.

Typ-1-Diabetes entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse (bzw. die Langerhansschen Inselzellen) kein Insulin mehr produziert, es herrscht ein absoluter Insulinmangel.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, die durch weitgehend noch ungeklärte Faktoren ausgelöst wird. Da der Körper selbst kein Insulin mehr produzieren kann, muss dieses von außen zugeführt werden, in Form von Spritzen oder einer Insulinpumpe.

Ohne Insulin fällt der Mensch irgendwann in ein Koma, welches tödlich enden kann! Typ-1-Diabetes ist AUSSCHLIESSLICH NUR MIT INSULIN BEHANDELBAR!

Typ-2-Diabetes wird heute auch oft als „Lifestyle-Diabetes“ bezeichnet und ist in der Regel das,

was „deine Oma“ auch hat und bei der die „ganz tolle Low-Carb-Low-Sugar-Diet so suuuuper funktioniert hat“.

Das ist im übrigen nicht so. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin in nicht ausreichender Form und/oder die Insulinrezeptoren wollen das Insulin nicht richtig annehmen und verarbeiten, man spricht von Insulinresistenz.

Die Mehrheit der Diabetiker im Diabetes-Land sind Typ-2-Diabetiker. Die Zahlen steigen sogar weiter an. Risikofaktoren hierfür sind Übergewicht, falsche Ernährung und die Gene.

Anders als beim Typ-1-Diabetes wird beim Typ-2 noch Insulin produziert, leider in nicht ausreichender Menge. Behandelt wird mit Tabletten, teilweise Insulin, der Erhöhung von Bewegung sowie einer Ernährungsumstellung. Auch bei einer „LowFat-LowCarb-LowSugar-lowWTF“-Diät gilt: hört man mit der Einstellung auf (keine Tabletten/Insulin/gesunde Ernährung/weniger Bewegung), kehrt der Diabetes „zurück“.

Grundsätzlich gilt: Diabetes ist noch nicht heilbar!

Dann darfst du ja gar keinen Zucker mehr essen!“ „Hast du die Pumpe auch nachts an?“

Nächstes Jahr feiere ich 20 Jahre Diabetes-Jubiläum und führe weitestgehend ein „normales“ Leben. Ich trage 24 Stunden lang eine Insulinpumpe, die mit einem Schlauch und einer Nadel (sog. Katheter), die in mein Unterhautfettgewebe führt, mit meinem Körper verbunden ist. Den Katheter muss ich alle zwei bis drei Tage wechseln, also einen neuen in den Bauch oder das Gesäß stechen. Die Insulinpumpe ermöglicht mir mehr Flexibilität im Alltag und eine feinere Einstellung, denn ich kann die Insulinausschüttung an die eines Stoffwechselgesunden anpassen. Zum schwimmen, duschen oder Sauna lege ich die Pumpe ab.

Ich kann, darf und möchte alles essen, was mir schmeckt! Aber vorher muss ich meinen Blutzucker checken, muss die Kohlenhydrate des Essens abschätzen und zusammenrechnen und über meine Pumpe mit Insulin abdecken.

Ist das die schlimme Form?“ „Sei froh, es könnte schlimmer kommen, es ist schließlich kein Krebs!“

Ich habe keinen Krebs, aber ich habe eine chronische Krankheit, die von mir 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, volle Aufmerksamkeit und Disziplin erfordert, um Leistung zu bringen. Das kostet mich manchmal jede Menge Kraft und kann auch schonmal nerven.

Mit einer angemessenen Behandlung lebe ich meistens ganz gut vor mich hin (von rechtlichen Schwierigkeiten bei Verbeamtung / Versicherungsabschlüssen wie z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung abgesehen, aber das würde zu weit führen).

(Dieser Artikel erschien 2013 in ähnlicher Form in der Universitätszeitung meiner Universität)