Gute Vorsätze, abnehmen, WOHLFÜHLEN – geht das mit Diabetes?

Ein neues Jahr steht vor der Tür und mit ihm viele Vorsätze. Oft geht es um Ernährung, Sport und Abnehmen: Detlef D! Soost will uns sexy machen, alle sprechen von Detox oder Entschlackung, die Fitnessstudios sind mehr als voll…Im Bekanntenkreis höre oder lese ich immer wieder „Ich will abnehmen, aber ich weiß nicht wie.“ In Diabetes-Foren steht dann oft noch der Satz: „Wie kann ich trotz Diabetes abnehmen?“ oder auch „Insulin macht dick.“

Grundsätzlich lässt sich eine Sache festhalten: wer abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrennen, als er zu sich nimmt. Ob dies über low carb, low fat, Friss-die-Hälfte oder sonstwas passiert, ist erstmal egal. Langfristig muss jeder für sich entscheiden, welche Ernährungsweise für einen selbst am Besten ist unter Berücksichtigung der ethischen, biologischen,… Aspekte.

Vor drei Jahren sah mein Leben völlig anders aus

Vor drei Jahren war ich an einem Punkt, an dem ich mir gesagt habe: so geht’s nicht weiter. Ich war unzufrieden mit meinem Lebensstil und meinem immer höheren Gewicht. Wirklich erkannt und etwas geändert habe ich diese Tatsachen aber erst, als ich ein Bild von mir gesehen habe, das meiner Wahrnehmung von mir gar nicht entsprach und wie ich auch nicht aussehen wollte. Von meinen Eltern bin ich eigentlich (!) zu einem gesunden, aktiven Lebensstil erzogen wurden – den ich gerade zu Beginn des Studiums vernachlässigte.

Auf Frust folgte Motivation und ich begann, meinen Lebensstil schrittweise umzuwandeln.

Zunächst fing ich wieder an zu walken und meldete mich kurze Zeit später wieder in einem Fitnessstudio an, in dem ich regelmäßig trainierte. Die Ernährung habe ich erstmal wieder auf das vom Elternhaus anerzogene zurückgestellt und die ersten Kilos purzelten. Mein Diabetes war sehr schlecht einstellbar und nachdem ich mich lange geweigert hatte, wies ich mich schließlich selbst ins Krankenhaus Bad Mergentheim ein. Dort wurde ich mich nochmal auf verschiedene hingewiesen und durch den Kontakt mit anderen Diabetikern erfuhr ich erstmals vom Diabetes-Leben #dedoc im Internet – nach so langer Zeit Diabetes hatte ich mich damit noch nie auseinandergesetzt oder nur daran gedacht. Die Motivation hatte ich damals mehr als zuvor nötig, aus heutiger Perspektive würde ich mich selbst für die damalige Phase als Diabetes-Depressions-gefährdet einstufen.

In der Klinik wurde festgestellt, dass ich viel zu viel Insulin pro Tag benutzte. So hatte ich nachmittags Hypos, die ich aber nicht bemerkt habe, dadurch immerzu hungrig war und deshalb ständig aß. Bei der Entlassung war mein Insulinbedarf um 15 IE pro Tag weniger….und wie bekannt ist, kann zu viel Insulin durchaus als Masthormon bezeichnet werden.

Portionsgrößen? Was ist das?

Ich esse schon immer und auch noch immer gerne und mehr als andere. Doch damals war ich selbst für meine Verhältnisse über’m Limit unterwegs. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel ich eigentlich esse, habe ich anfangs mithilfe der fbbd.info App Kalorien und Nährwerte gezählt. Insgesamt esse ich viele (mehrkettige) Kohlenhydrate – jaaa, auch abends 😉 , Gemüse und Obst. Es gibt Studien, die zeigen, dass man mit low carb zwar anfangs mehr abnimmt, der Gewichtsverlust nach einem Jahr mit low carb oder low fat etwa gleich ist. Das einzige, was bei mir mit low carb dauerhaft abnimmt, ist meine gute Laune!

Meiner Erfahrung nach sehr wichtig ist absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber: was habe ich gegessen, was habe ich (nicht) gespritzt, wann habe ich mich das letzte Mal bewegt?

Langfristige Erfolge

Kurzfristig eine Diät durchziehen kann jeder. Effekt: gleich null. Ich habe mich für die langfristige Methode entschieden: Kein lowcarb, keine Kohlsuppe, kein Detlef D! Soost, Kayla Itsines oder sonstwas Programme. Stattdessen ein für mich passendes BAT-Programm: ich esse, was ich will. Viel Obst und Gemüse, viele Kohlenhydrate, relativ wenig Fett, wenig Industriezucker, so gut wie keine Konservierungsstoffe. Quasi das, was Mama schon immer gepredigt hat und heute als clean eating bekannt ist. Neben Gewicht halten oder verlieren hat diese Ernährungsweise weitere Effekte auf den Organismus, da viele ungesunde Fette dem Stoffwechsel schaden. Das Risiko für eine Erkrankung des Herzkreislaufs steigt. Durch viele Vitamine bleibt das Immunsystem stark, oft verbessert sich das Hautbild.

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Frisch vom Markt
Frisch vom Markt (Sommersaison)

Ernährung, Bewegung, Erholung

Nicht nur Ernährung ist wichtig. Bewegung im Alltag, sportliche Tätigkeit und auch Erholung ist genauso wichtig! Ich mache alleine schon Sport, um mehr essen zu können 😉 Zusätzlich ist Bewegung und Sport gut für das Bindegewebe, die Wirbelsäule (Rückenschmerzen entstehen oft durch Bewegungsmangel), den ganzen Bewegungsapparat und nicht zuletzt für den Kopf.

Für den Kopf habe ich hier folgendes Video über „Glück“ von Eckart von Hirschhausen mit den 5 Gründen für schlechte Laune (die natürlich auch mit Ernährung zusammenhängen kann – Bsp. Beate mit low carb-Ernährung).

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=5HLv1SZyPE8&w=1280&h=720]

Fazit & Ausblick

Seit meiner Entscheidung von vor drei Jahren ist einiges passiert: ich halte mehr oder weniger mein Gewicht, treibe regelmäßig Sport, bin achtsamer mir selbst gegenüber. Und: der Blutzucker ist auch besser – wenn auch leider nicht immer ;-)! Das hat weniger etwas mit meinem Entschluss, abzunehmen, zu tun, sondern eher mit meiner Veränderung. Abnehmen alleine macht nicht glücklich. Für mich geht und ging es nie darum, gesellschaftliche Konventionen oder die Hoffnungen der Modeindustrie zu erfüllen. Es geht für mich vielmehr darum, mein Leben zu genießen, mich wohlzufühlen und das mit möglichst wenig zusätzlichen gesundheitlichen Risiken neben dem Diabetes.

spread the love <3
spread the love <3

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Da ich die letzten Wochen durch eine längere Erkältung und viel Stress mich selbst ausgebremst habe, haben sowohl meine Blutzuckereinstellung als auch mein Körper etwas gelitten. Deshalb stelle ich mich mit in die Reihe der guten Vorsätze: das muss besser werden. Ich plane, bei der mysugr Challenge und der eat train love Challenge teilzunehmen. Mysugr fordert uns Diabetiker auf, unser Monster genau zu beobachten und Tagebuch zu führen. Diese Daten möchte ich gewissenhafter als im Dezember auswerten. Die eat train love Challenge hat gleich drei Themenschwerpunkte in drei Monaten: gesunde Ernährung (z.B. täglich einen green smoothie), Bewegung und Selbstliebe/Achtsamkeit. Mal sehen, wieviel ich für mich umsetzen kann.

Challenge accepted! beate_putzt

 

Diabetes Typ YOU – Tag

Die Diabetes Typ YOU Tag-Aktion wurde von Saskia (diafeelings) und Marcel (ishinne-diabetes) ins Leben gerufen.

Sarah von dia-beat-this hat teilgenommen und mich anschließend getaggt. Diabetes Typ YOU – wir sind alle mehr als nur der Typ1-Diabetiker, jeder bringt eigene Therapieansätze mit ein, etc. Deshalb gefällt mir die Aktion gut und ich mache gerne mit 🙂

#1 Wie alt bist du und wie lange hast du schon Diabetes?

Ich bin 24 und Diabetes wurde mir mit 3,5 Jahren diagnostiziert.

#2 Penste noch oder pumpste schon?

Pumpi. Seit 12 Jahren. Rückgabe ausgeschlossen wenn’s nach mir geht.

#3 Was war dein schönstes Diabetes-Erlebnis und wie beschreibt sich deine schlimmste Erinnerung?

Da ich alle meine bewussten Erlebnisse mit Diabetes im Gepäck erlebt habe…eigentlich alle schönen Erlebnisse: Gespräche mit anderen Diabetikern, lustige Verwechslungen im Alltag (Ist das ein Pieper/Handy), „Wieso wiegst du dein Essen ab, machst du gerade Diät?“ (beim abwiegen einer schwer zu schätzenden Mahlzeit),…

Das schlimmste Erlebnis ist das Gefühl nach einer schweren nächtlichen Hypo mit Krampfanfall – die habe ich mittlerweile nicht mehr oft, früher jedoch häufiger. Oder wenn mich ein inkompetenter Arzt ungerecht kritisiert…da fühle ich mich häufig ausgeliefert.

#4 Misst du oder scannst du?

Ich messe je nach Tag zwischen 5 – 10 Mal täglich. (Das sollte sich in den nächsten Jahren auch ändern)

#5 Dein liebster Hypohelfer?

APFELSAFT. Im Notfall aber einfach alles, was essbar ist.

#6 Tagebuch schreiben, in einer App dokumentieren oder „Fuck off“?

Wechselt bei mir phasenweise. Gerade bin ich motiviert und füttere mein mysugr-Monster regelmäßig mit Daten.

#7  Familie nervend oder helfend?

Beides 😉 Jedoch mehr helfend als nervend.

#8 Warum bloggst du oder liest Diabetes-Blogs?

Die Frage habe ich zum Start meines Blogs hier beantwortet. Kurz: Es macht Spaß, ist Therapie, ich schreibe und lese gerne…und Diabetes beeinflusst zu großen Stücken! 🙂 Auf Diabetesblogs im speziellen wurde ich von einer Diabetikerin in meiner letzten Schulung aufmerksam gemacht und der für mich erste war http://www.mein-diabetes-blog.com/ von Ilka und Finn.

#9 Diabetes als Sportbremse? Oder wie vereinigst du die beiden Dinge?

Diabetes ist für mich nur dann eine Sportbremse, wenn ich einen richtig besch*ssenen Dia-bad-ass-Tag habe, sprich viele viele hohe oder/und niedrige Werte. Sonst gilt: Anpassung der Therapie und los geht’s. 🙂

BAT mit Apparätsche
Am meisten Spaß macht Sport, wenn die externe Bauchspeicheldrüse zum Outfit passt! 😉
#10 Wie offensiv gehst du mit deinem Diabetes um?

Ich verstecke mich nicht, messe öffentlich…deshalb muss ich nicht jedem erzählen, was ich habe. Das ergibt sich oft von selbst. Ich bin der Meinung: lieber dumm fragen als dumm gucken. Menschen, mit denen ich häufig zu tun habe, bekommen noch eine kurze Notfallschulung. Meine Pumpe trage ich (gerade beim Sport) auch mal sehr offen, weshalb ich auch „BAT mitm Apparätsche“ bin.

#11 Wenn du einen Wunsch frei hättest…

…würde ich mir ein funktionierendes Gesundheitssystem wünschen, in dem der Mensch mehr zählt als seine Materialkosten. Und darin enthalten dann die Übernahme meiner (technischen) Heilung.

 

Das wars von mir. Ich nominiere Max von diabetesundsport.at.

Liebe Grüße und einen schönen vierten Advent wünsch ich euch!

 

(Vor-)Weihnachtsblues?!

Es ist Dezember und wie jedes Jahr: Die Termine häufen sich, die Sonne wird weniger, die Erkältung geht nicht weg und zack! hat er mich wieder: der (Vor-)Weihnachtsblues. Dieses Jahr hat es mich besonders schlimm erwischt und nach zwei Tagen extrem schlechter Laune ist jetzt Schluss. Nicht nur die Laune, auch die Blutzuckerwerte haben extremst gelitten. Körper und Geist gehören schließlich zusammen, also auch kein Wunder, dass die Erkältung nicht weggeht.

Hier kommen meine Strategien, die vielleicht auch dir helfen, den (Vor-)Weihnachtsblues zu minimieren oder ganz wegzubekommen.

1.) Ich gehe ab jetzt wieder jeden Tag an die frische Luft – Sauerstoff, Bewegung und Tageslicht begünstigen gute Laune und die Vitamin-D-Aufnahme. Zudem ist frische Luft und Bewegung auch mit Erkältung möglich, kurbelt die Durchblutung an und hilft den Atemwegen.

Die Schönheit der Natur beim Spaziergang genießen...
Die Schönheit der Natur beim Spaziergang genießen…

2.) Ich versuche, wie sonst das Jahr über auch, wieder mehr frisches Gemüse zu essen. Irgendwie fällt mir das im Winter schwerer und die Versuchung der Schokolade ist groß. Ich bin der Überzeugung, dass meine Ernährung ein großer Teil meiner Lebenseinstellung beeinflusst – und viel Industriezucker macht mich auf Dauer träge. Deshalb wieder back to the roots – Smoothies, Wintergemüse are calling. Und Schoki darf’s ja auch mal sein – wozu sonst ist ein Adventskalender da?

3.) Zeit für mich finden und nutzen. Nicht nur vorm TV hängen und einfach abschalten, sondern wirklich quality time für mich schaffen. Heißt: Meditation, Yoga, Sport, lesen, etc. Was mir in dem Moment eben gut tut!

4.) Aufräumen! Nicht im Chaos versinken! Gilt für Kopf und Räumlichkeiten!

5.) Achtsamkeit & Dankbarkeit. Jeden Tag bin ich dankbar für das, was ich habe! Ein Dach über’m Kopf, warmes Essen und Wasser, meine Leistungsfähigkeit, …. .

6.) Rücksicht und Toleranz mir selbst gegenüber. Ja, es ist Winter. Ja, ich bin erkältet. Ja, meine Blutzuckerwerte sind beschissen. – Nein, ich bin kein schlechterer Mensch. Sondern ich versuche die Tatsache anzunehmen, dass ich jetzt mehr Schlaf, Zeit für mich und Ruhe brauche.

7.) Regelmäßig mit Freunden treffen, zum Glühwein trinken und quatschen 🙂 Wärmt die Seele und steigert meine Laune beträchtlich!

8.) Lieblingsmusik anmachen, mitsingen und tanzen 🙂

You never feel happy until you try!

 

An sich natürlich Tipps, die jeder von uns kennen dürfte. Trotzdem habe ich sie mal wieder vergessen  und mir deshalb jetzt wieder bewusst gemacht. Vielleicht helfen sie euch ja auch. Über eure Strategien, Helferlein gegen schlechte Laune und was euch noch so einfällt – freu ich mich auch sehr!  🙂

Herzliche Grüße,

beate_putzt (ihren Weihnachtsblues weg)

 

Rückblick: ¡buen camino!

Am 1.9. startete mein Flieger Richtung Spanien zum Abenteuer Pilgerreise.  Warum ich das ganze in Angriff genommen habe, habe ich hier beschrieben und zu meinen Vorbereitungen gerade in Bezug auf den Diabetes könnt ihr hier etwas finden.

Pilgern? Sicher nochmals!

Ich bin wieder zurück und mit mir unglaublich viele Erfahrungen und Erinnerungen, wie das halt so nach einem Urlaub ist. Was kann ich nun rückblickend sagen?

Dank meiner guten Vorbereitung war ich auf fast alles gerüstet – nicht rechnen konnte ich damit, dass in Nordspanien auch mit Hagel, Windböen und Regen ähnlich der Nordsee zu kämpfen ist, wie ihn der stärkste Seebär kaum aushält. Doch auch an diesen Tagen war ich gut gelaunt.

Bergüberquerung bei Sturm und Regen
Bergüberquerung bei Sturm und Regen

„On the camino there’s a solution for everything – the camino gives you what you need.“

Dieser Satz ist mir gleich an meinem ersten Lauftag begegnet und es stimmt! Klingt nach philosophischen Blablabla, trotzdem war ich nie einsam oder überfordert mit etwas. Nach 600 gelaufenen Kilometern kann ich sagen: ich kann mich auf mich und meinen Körper verlassen. Einsam war ich nie; alleine nur, wenn ich es wollte. Ich habe unglaublich viele nette, positive, warmherzige Menschen getroffen und noch mehr i Rückmeldung erhalten. Diese Erfahrungen habe ich im Alltag auch; jedoch gehen diese dann schnell unter. Dort sind die positiven Wahrnehmungen so häufig und es tut unfassbar gut. Seit ich in Deutschland bin, habe ich auch viel weniger negative Gedanken und sehe alles entspannter.

Neid? Falscher Ehrgeiz? Leistungsdruck?

Besonders gut gefallen hat mir, dass keiner auf andere neidisch ist (bis auf wenige Ausnahmen, aber Idioten gibt’s ja überall ;-)). Jeder macht seinen persönlichen Camino mit seinem eigenen Gepäck. Selten habe ich so viel Hilfsbereitschaft erlebt. Ich erlebte stärker als sonst das Gefühl von what goes around comes back around.

Wenn du 10km läufst, ist es ok. Wenn du 40km läufst, ist es auch ok. Hast du Schmerzen oder auch einfach einen super Tag ohne Probleme – auch ok. Im Gegensatz zu Zuhause wird hier nicht nach Leistung beurteilt, da jeder Hoch- und Tiefphasen hat und sein Bestes gibt. Das hat mir unglaublich viel gebracht und mich wieder an meine Yogapraxis „off the mat“ erinnert.

Ernährung, Kosten, gelaufene km/Tag

Spannend war meine Ernährung zu dieser Zeit. Morgens vorm Laufen gab es meistens Müsli mit Milch und Obst. Nach einigen Kilometern der erste Kaffee mit einem süßen Teilchen oder einem belegten Sandwich – in Spanien ist es üblich, einen Kaffee mit einem Süßteil zum Frühstück zu essen. Mal ganz nett, auf Dauer aber nichts für mich. Da mich ein großes Mittagessen zu sehr „geschwächt“ hätte, habe ich zwischendurch immer Obst und Kekse gegessen. Abends dann was gekochtes, Salat oder einfach belegte Brote. Alles in allem habe ich geschätzt 4.000kcal pro Tag zu mir genommen und die waren auch notwendig! Leider ist es sehr schwer, sich in Spanien so wie gewohnt zu ernähren und vor allem der ganze Essensrhythmus war durcheinander, sodass ich mich jetzt immer noch umstellen muss. Leider brauche ich keine 4.000kcal mehr am Tag… 😉

Kaffeepause und Wegplanung
Kaffeepause und Wegplanung

Meine Vorkalkulation von 20€ pro Tag sind mehr oder weniger hingekommen. Gegen Ende hin habe ich mehr Geld gebraucht, da vor allem die Herbergen teurer geworden sind.

Pro Tag bin ich je nachdem ca 30km gelaufen. Natürlich variiert das nach gesundheitlichem Empfinden und auch der Strecke – gerade Höhenmeter können fies sein. Trotzdem muss ich sagen, dass es nicht so anstrengend war wie gedacht. Abends war ich erschöpft, selten aber zu gar nichts mehr zu gebrauchen. Insgesamt habe ich eine Distanz von 600km (Burgos – Santiago – Finisterre) zurückgelegt.

Am Ende der Welt - Kap Finisterre
Am Ende der Welt – Kap Finisterre

 

Fazit

Ich werde definitiv nochmal pilgern gehen! Aus diesem Grund empfehle ich jedem, der gerne läuft und keine allzu großen Luxusansprüche hat, eine Pilgerreise. Auch wenn man im Gegensatz zu mir keine religiösen Mit-Motive hat: das macht nichts. Jeder kann sich das mitnehmen, was er braucht und es herrscht kein Zwang zu irgendetwas.

Die Landschaft auf dem camino frances (der bekannteste Jakobsweg aus Frankreich kommend) ist wahnsinnig abwechslungsreich, die Leute sind toll und ja, der Camino gibt dir das, was du brauchst. 🙂 Ich spreche kein spanisch, jedoch fließend englisch und recht gut französisch…damit kam ich gut zurecht. Die Spanier sprechen in der Regel keine weitere Sprache, sind aber sehr sehr freundlich und irgendwie hat’s immer geklappt.

Einen Kritikpunkt muss es aber auch geben und es gibt sogar zwei: die spanische Siesta hat mich ziemlich genervt, da sie mich vom einkaufen oder essen abgehalten hat. Verhungert bin ich dennoch nicht. Außerdem ist die Straßenbeschilderung (nicht die Pilgerzeichen) sehr schlecht und oft mit spanischem Fließtext über mehrere Zeilen versehen…ich bin zum Glück überall sicher angekommen.

Wegweiser
Wegweiser

Alles in allem kann ich nur sagen: beate_putzt wünscht euch einen ¡buen camino! (auch im (Lebens-)Alltag) und bei Fragen meldet euch gern.

Reisen mit Diabetes im Rucksack

Die Vorbereitungen für meine Reise auf dem Jakobsweg sind fast abgeschlossen. Eine besondere Herausforderung ist die Planung für meinen Diabetes: Insgesamt darf nicht mehr als 10kg in den Flieger und auch auf dem Weg sollten es nicht viel mehr Kilogramm auf dem Rücken sein.

Kleidungstechnisch beschränkt sich der Pilger auf ein Outfit am Körper und eines im Rucksack. Ich als pilgernde Diabetikerin muss mir dagegen mehr Gedanken machen und so habe ich in den letzten Wochen einiges gerechnet und ausprobiert: Wie viel ist zu viel an Equipment, wie viel ist zu wenig? Ist ein Katheter mit integrierter Setzhilfe eventuell besser? Werde ich jeden Tag mit Unterzuckerungen zu tun haben beziehungsweise wie viel Insulin kann ich von Beginn an reduzieren?

Ganz genaue Antworten kann ich noch nicht einmal für meinen eigenen Körper geben. Meine Hochrechnungen möchte ich gerne zum Erfahrungsaustausch mit euch teilen.

Wenn ein Diabetiker auf Reisen geht...
Wenn ein Diabetiker auf Reisen geht…

Mein Equipment ist etwas mehr als zuhause, da ich gerne mehr mitnehme, als ich benötige. Ich rechne mit bis zu 10x messen pro Tag, nehme also 300 Teststreifen und 52 Lanzetten mit (ich habe zwei Stechhilfen, die ich zwei Mal täglich wechsle).

Normalerweise wechsle ich alle 3 Tage den Katheter, habe jetzt für etwas mehr als alle 2 Tage Katheterwechsel eingepackt – die Hälfte davon ohne Schlauch. Ich nehme auch Desinfektionsmittel mit – Katheter halten bei mir besser, wenn ich vor dem Setzen die Haut entfette (sprühen – wischen – nochmal sprühen und trocknen lassen). Den Katheter werde ich mit Kinesiotape fixieren.

Wichtig natürlich auch Ersatzmessgerät und Pumpe und das Formular für den Flughafen vom Arzt (bisher noch nie benötigt, aber man weiß ja nie….). An Insulin nehme ich zwei Ampullen mit – normalerweise reicht mir eine 315ml Ampulle für 5 Tage. Falls ein Fläschchen oder das Insulin kaputt geht, habe ich somit genug Ersatz. Gekühlt wird nur das noch nicht genutzte Insulin in den Frio-Taschen. Da meine Insulinpumpe direkt am Körper ist, ist eine Kühlung nicht zwingend notwendig.

Meine Hypohelfer werden Trockenobst, Traubenzucker und ein paar Zucker-Gele (werde von Dextro Energy sowie Cola-Geschmack-High-Energy von Decathlon testen). Saft ist zunächst zu schwer und darf auch nicht mit in den Flieger.

Die Ersatzbatterien für Pumpe und Messgerät sowie die Batteriefachdeckel und Ampulle einschließlich Ampullendeckel (doppelter Bedarf) eingepackt und fertig!

Insgesamt kann ich so etwas mehr als einen Jutebeutel vollstopfen! Aber was muss, das muss – schließlich muss ich für alles gerüstet sein. Das Messgerät und ein paar Traubenzucker werde ich entweder ganz oben in den Rucksackdeckel packen oder vorne in eine Bauchtasche. Das restliche Equipment packe ich in einen Wäschenetz und wenn ich etwas brauche, kann ich es ganz flott komplett ohne viel kramen aus dem Rucksack holen. Genauso werde ich es auch mit meinem zweiten Outfit machen.

Bald geht’s los. 🙂 Wie es blutzuckertechnisch lief, werde ich sicherlich berichten. Viele liebe Grüße von beate_putzt

Gedankenspiel & Reiseplanung

Seit einem halben Jahr spiele ich mit dem Gedanken, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. So langsam wird es wirklich konkret, denn ich habe mich vorgestern dazu entschlossen, im September loszulaufen. Irgendwo in Spanien soll es losgehen.

Gestern habe ich das begeistert einer Freundin erzählt, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe und sie so begeistert, dass sie sehr wahrscheinlich mitlaufen wird.

Pilgern? Warum pilgern? Warum stundenlang durch die Gegend laufen?

Obwohl ich katholisch bzw. christlich-gläubig bin, hätte ich diese Frage vor ein paar Jahren noch jedem gestellt. Was soll mir das bringen, zu irgendwelchen Marienfiguren zu laufen?

Marienfiguren interessieren mich immer noch nicht sonderlich.

  • Ich freue mich auf neue Menschen, die man im gehen kennen lernt
  • Die Gedanken, die ich sonst im Alltagsstress verdränge und dann vielleicht Zeit finden, beachtet zu werden
  • Ich freue mich auf neue körperliche Herausforderungen, da ich momentan ohne konkret zu sein, an die 450km geplant habe
  • Ich freue mich auf den Abstand vom Alltag und meine Rolle im Alltag, Zeit für mich und sonst niemand. Ich freue mich auf die Reiseumgebung, da ich kein All-inklusive-Urlauber bin und mir dort erhoffe, möglichst viel von der Umgebung mitzubekommen
  • Ich freue mich auch auf die Mehr-Zeit mit Gott, Mehr-Zeit zum beten, danken und beschweren
  • Ich freue mich auf alles, von dem ich noch gar nicht weiß, was mich erwartet

Warum Spanien? Ginge doch auch z.B. in Deutschland?

Das ist völlig richtig. Im September ist in Spanien aber die perfekte Reisezeit zum pilgern, es sei wohl nicht mehr so überlaufen, trotzdem könne man Leute kennenlernen. Außerdem: andere Länder, andere Sitten. Bessere Pilgerinfrastruktur zum Beispiel. Und außerdem auch: das Endziel eines der vielen Jakobswege ist nunmal Santiago de Compostela. Von dort aus soll es weitergehen zum Kap Finisterra, um dort noch ein paar Tage am Strand zu verbringen.

Vorbereitungen

Seit einem halben Jahr lese ich immer wieder auf Pilgerseiten und unterhalte mich mit gläubigen und nicht-gläubigen Menschen, die den Jakobsweg gegangen sind. Mittlerweile habe ich mich entschieden, nicht in Wanderschuhen zu laufen. Die Entscheidung, ob es Trail- oder Runningschuhe werden, muss ich noch treffen. Grundsätzlich benötige ich noch einen Rucksack. Mein ganzes Gepäck sollte auch mit Zuckerzeug immer noch leicht und kompakt sein. Da muss ich in den nächsten Tagen noch Vorbereitungen treffen genauso wie die genaue An- und Abreise zu planen. Ich habe noch nicht so die genaue Ahnung, an was ich alles denken muss. Auch, inwieweit ich mein Blutzuckerequipment möglichst leicht gestalten kann (für Tipps wäre ich dankbar! Wollte z.B. mal den Mio-Katheter mit integrierter Setzhilfe testen?).

 

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Kultur und Reisen.
Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise! – Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

Liebe Grüße von der reisefiebernden beate_putzt

Aufreger der Woche: Sport = Abnehmen?!

Ihr Lieben,

mein Aufreger der Woche dreht sich dieses Mal um die Gleichsetzung Sport = Abnehmen.

Gestern hatte ich ein Gespräch mit meiner Mitbewohnerin, die mich auf die neueste Werbung eines Fitnessstudios aufmerksam machte, die in etwa lautete: komm zu uns und du nimmst ab.

Diese Entwicklung ist mir in letzter Zeit leider sehr oft aufgefallen und entspricht nicht meinem Lebensgefühl! Sport ist mehr als abnehmen und ich mache auch nicht Sport, um abzunehmen. Zumindest nicht nur.

Sport ist für mich auspowern, meine Grenzen spüren, Spaß, mich weiterentwickeln, entspannen, Zeit für mich und meinen Körper, Gesundheitsprävention und ja, AUCH Kalorien verbrennen.

Schade, dass sich die Werbung eines Fitnessstudios nur auf die Abnehmgeschichte konzentriert oder konzentrieren muss. Schade, dass immer mehr der Eindruck vermittelt wird, Sport macht man nur, um abzunehmen. Schade, dass die Gesellschaft dahin tendiert, man müsse überhaupt ständig abnehmen.

Überhaupt die „Gleichmacherei“, die mir momentan oft auffällt. Wir sind alle einzigartig und haben trotzdem Gemeinsamkeiten. Meiner Meinung nach sollten wir versuchen, beides zu vereinen, anstatt nur einen der Ansätze zu verfolgen. Yin und Yang sozusagen. Schöne Menschen zeichnen sich für mich durch mehr als nur ein Attribut wie dünn/dick aus.

Für mich sind die Menschen schön, die sich in ihrer Haut wohlfühlen und eine gute Körperhaltung präsentieren, statt schlaff durch die Gegend zu schleifen. Und das erreicht man auch durch Sport! Hat aber weniger damit zu tun, dass Menschen abnehmen, sondern, dass sie sich wohler in ihrer Haut fühlen. Vielleicht auch, weil ein paar Kilos gepurzelt sind. Ich denke aber eher, weil man seinen Körper durch Sport ziemlich gut kennenlernen kann.

Die Freude an der Bewegung steht für mich immer im Fokus und ich mache niemals eine Sportart, die mir keinen Spaß macht, mit der ich aber abnehmen können soll. Natürlich macht nicht jede Übung Spaß und ab und zu muss man sich auch mal quälen…Hallo, Plank/Brett-Übung!

Trotzdem missfällt mir die Ansicht, man macht Sport, weil #abgerechnetwirdamStrand überhaupt nicht. #abgerechnetwirdamStrand bitte was? Ich persönlich liege am Strand und rechne nicht! JedeR von uns sieht anders aus und das ist auch gut so.

You are be-you-tiful!

Ich habe mir gestern neue Laufschuhe gekauft. Zum Abschied meinte der Verkäufer zu mir: „Beim ersten Lauf denk gar nicht dran, dass du einen neuen Schuh trägst. Genieß einfach die Bewegung!“ Für mich ist das ein ganz guter Ansatz: Leute, genießt die Bewegung! Wir sind dazu gemacht, uns zu bewegen und nicht nur zu sitzen. (Auch wenn ich ab und an mal einen absoluten Gammeltag brauche, an dem ich mich nur vom Bett zum Kühlschrank bewege…wer nicht ;))

Genießt das Leben, bewegt euch, seht und erlebt etwas 🙂 beate_putzt

 

Diabetes & Sport – nenn mich Lara Croft!

Diabetes und Sport ist wohl ein Thema für sich und bringt daher verschiedene Probleme mit sich: von der Einstellungen des Diabetes hin zu der Unterbringung des ganzen Equipments.

Bevor ich starten kann, muss ich mich erstmal mit meinem Blutzucker und der zu erwartenden Anstrengung sowie dem Tagesablauf vor und nach des Sports auseinandersetzen:

– Wie hoch sollte der Ausgangswert sein? Yoga erfordert einen anderen Wert als Spinning, Spinning einen anderen als Schwimmen.

– Ist mein Ausgangswert dann auch tatsächlich so wie angepeilt?

– Wann habe ich das letzte Mal etwas gegessen?

– Wann werde ich wieder etwas essen?

– Bin ich danach noch unterwegs oder bewege ich mich?

– Wie ist mein körperliches Befinden? (bei Frauen: Zyklus?!)

Dies bringt viele Überlegungen mit sich und erfordert einiges an Vorbereitungen wie Sport-BEs* , Reduktion des Insulins (Basal*- und Bolus*insulin), Ruhephasen und und und….die Unterbringung meines ganzen Equipments!

Zum Sport (wie walken, Yoga, Fitness, Radtour) benötige ich:

ein Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Stechhilfe, mindestens 4 Plättchen Traubenzucker, Müsliriegel oder ein Fruchtmus, Tempo, Schlüssel, Handy und Kopfhörer, Insulinpumpe, eventuell etwas zu trinken…also gefühlt drei Rucksäcke voll. Genau das muss speziell beim walken/joggen geschickt verstaut werden, ohne dass es mich behindert.

Meine Pumpe verstaue ich mittlerweile am liebsten im Sport-BH mit einer Silikonhülle oder in einer Seitentasche in meinen Sporthosen, die eigentlich für das Smartphone gedacht sind:

http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html
http://www.decathlon.de/laufhose-elioplay-damen-id_8325630.html

Bei Ilka von mein-diabetes-blog.com habe ich schon vor längerem einen Beitrag zum Thema Sport und sinnvollen Sporttaschen gelesen und mir deshalb eine flexible, gar nicht so hässliche Bauchtasche von oramics sport bestellt – da geht wirklich alles rein und sie hält, was sie verspricht!

 

Im Anschluss an meine ganzen Vorbereitungen kann ich einigermaßen „unbeschwert“ losstarten und sehe aus wie Lara Croft – könnte auch schlimmer sein 😉

 

Viel Spaß beim Sport wünscht beate_putzt

 

*Sport-BE: Sport-Berechnungseinheit, also das, was ich an Nahrung benötige, um meinen Körper in meinem persönlichen Sport-Blutzucker-Zielbereich zu halten. In meinem Fall schwankt das zwischen 150 – 250 mg/dl.

*Basisinsulin: als Basisinsulin bezeichnet man das Insulin, was die Grundversorgung des Diabetikers regelt unabhängig von Sport, Essen, Schlafen, etc. . In der Insulinpumpentherapie auch als Basalrate bezeichnet.

*Bolusinsulin: das Insulin, welches man zum Essen anrechnet