Jakobsweg: Camino del Norte

Irgendeine Kilometeranzahl zwischen 550 und 600km später sitze ich in Deutschland und frage mich, warum ich das schon wieder gemacht habe.

Vor zwei Jahren war ich auf DEM Hauptweg der Jakobswege, dem Camino francés, unterwegs. Bevor ich aufbrach, wusste ich damals noch gar nicht, dass es mehrere Varianten und Möglichkeiten gibt, Richtung Santiago de Compostela zu kommen. Schon auf dem Weg war klar, wir (meine Kindergartenfreundin Jana und ich) laufen nochmal. Dieses Jahr wollte ich eigentlich die 2.500km laufen, habe aus verschiedenen Gründen den Weg unterbrochen.
Wenig später bin ich in Spanien mit Jana wieder gestartet: Unser Traum vom Nordküstenweg (Camino del Norte) wurde gewagt und Spoiler, es hat sich gelohnt. 🙂

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Faktencheck

Der Nordküstenweg verläuft zu großen Teilen am Meer und ist meines Eindrucks nach anstregender und herausfordernder als der Camino francés. Lange Etappen, teilweise kilometerlanger Asphalt mit steinigen Untergrunden im Wechsel immer den Launen der Küste ausgesetzt. Zugegeben, das Wetter hätte nicht besser sein können und ich habe meinen stylischen Poncho nur drei Mal gebraucht. Es gab weniger Bars, um zwischendurch einzukehren, dafür abends schöne Gelegenheiten zum essen und trinken. Für mein leibliches Wohl war also zumindest abends stets gesorgt. Auf der ganzen Strecke habe ich nur drei Mal eine leichte Hypo gehabt. Nächtliche Überzuckerungen mit Unmengen an Wasser, morgendlichen Kopfschmerzen und wenig Schlaf hatte ich dagegen in der ersten Woche leider häufig. Das war wohl zum einen dem ungewohnten Essen als auch zum anderen der Ausbalancierung des reduzierten Basalinsulins geschuldet.

!Wichtig! Ich bin auf dem französischen Weg sehr gut mit dem roten Führer zurecht gekommen. Aus verschiedenen Gründen habe ich im Laufe des Nordküstenwegs mein rotes Buch entsorgt und bin mit dem gelben Führer weitergelaufen. Mit dem roten wäre ich wohl heute noch nicht in Santiago angekommen.

!Empfehlung! Ergänzend zum Buch kannst du dich unter der spanischsprachigen Website https://www.gronze.com/ informieren oder/und dir die App „buen camino“ (gelber Pfeil auf blauem Grund) herunterladen.

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Die Füße laufen lassen, der Rest läuft mit

„Es geht mir gut, es geht mir sehr sehr gut.“ – Eins, Zwo

Auf dem Camino habe ich nur wenige Aufgaben: laufen, essen, trinken, waschen, schlafen und meine Bauchspeicheldrüse imitieren. Alles andere ergibt sich von selbst, das Auge sucht nach Muscheln und Pfeilen, die als Wegweiser dienen. Die Stimmung entscheidet, ob ich mich unterhalte oder allein meinen Gedanken nachhängen mag. Und letztlich entscheidet der Jakobsweg darüber, was ich bekomme.

Die Faszination Jakobsweg kann mitunter einen esoterischen Kick erhalten, der jedem, der noch nicht gepilgert ist, wahrscheinlich immer unbegreiflich bleiben wird (mir vor meinem ersten Camino übrigens auch). Dafür wird jedem noch so kopfgesteuerten Menschen, der schon gepilgert ist, sofort ein verständnisvolles Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich kann es ganz schwer in Worte fassen, was dort passiert. Ein Autor, der das wesentlich besser kann als ich, ist Jean-Christophe Rufin: Nichts gesucht, alles gefunden. Meine Reise auf dem Jakobsweg.

Das einfache ist: Pack deinen Rucksack und geh los. Die Beschwerden kommen sowieso, in meinem Fall war das meine anfängliche Unsicherheit, weil in Frankreich nichts wie geplant geklappt hatte und an den letzten zwei Tagen noch zwei große Blasen erlaufen wurden. Jana dagegen hatte dieses Mal viele Schmerzen und ist nach Santiago vorgefahren und hat ihren Weg anders abgeschlossen. Deshalb waren wir am Ende eine Woche getrennt unterwegs.

Die Mitpilger

Grundsätzlich laufen auf dem Nordküstenweg weniger Menschen als auf dem Camino francés. Dadurch, dass ich auch längere Etappen als andere Pilger laufe, habe ich nicht ganz so viele Menschen getroffen. Da der Weg mir aber wieder das gegeben hat, was ich brauchte, war alles perfekt. Neben zahlreichen netten Bekanntschaften haben wir auch gleich am ersten Tag unseren „caminofriend“ Fabrizio kennengelernt, mit dem wir die etliche Kilometer mehr oder weniger gemeinsam gelaufen sind. Zusammen laufen ist auf solchen Strecken übrigens ein echtes Privileg: Ich gehe beispielsweise in hohem Tempo lange Etappen, mache zwei mittellange Pausen, stoppe nicht gern und unterhalte mich manchmal, aber nicht immer. Außerdem will ich nicht die ganze Zeit zusammen laufen, sondern auch getrennt. Gemessen an diesen Kriterien kann man sich leicht vorstellen, wie schwer es ist, jemanden zu finden, den man abends wieder sieht und je nach vorheriger Etappe auch noch erträgt 😉 Deshalb umso unglaublicher, dass ich zwei solche Menschen gefunden habe.

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Santander, Tag 1
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Santilla del Mar

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Gijon
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Jana im Sonnenaufgang
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Herberge

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Sonnenaufgang, Ribadesella
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Seminario, Mondoneo
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Camino suplementario

Kann es ein Fazit geben?

„Beate, wie war’s?“ Jetzt habe ich drei Möglichkeiten: Wenn die Person schon gepilgert ist, beginnt jetzt ein Gespräch über das Pro&Contra der Wege. Wenn die fragende Person noch nicht gepilgert ist (eine Option, die viel wahrscheinlicher ist), gibt es zwei Antwortmöglichkeiten:

  1. „Gut.“ (Evtl. noch: Gutes Wetter, anstrengend, gutes Essen, liebe Mitpilger)
  2. Eine Flasche Wein und mindestens drei Stunden Zeit. (Zeit zum Schweigen gehört auch mit zur Antwort)

Es lässt sich einfach nicht resümieren und kurz erzählen. Also für dich, liebe Leserin und lieber Leser: Es war gut. 🙂

Plus: Irgendeine Kilometerzahl zwischen 550km und 600km später sitze ich wieder im herbstlichen Deutschland und frage mich, warum ich das schon wieder gemacht habe und vor allem, warum ich schon mindestens einen weiteren Camino geplant habe…

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SANTIAGO 🙂

Es geht weiter – ab morgen wieder Pilgerin!

Ultreia ultreia. Immer weiter, immer weiter. Die Pause ist vorbei!

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein kurzer und schneller Gruß, bevor es morgen wieder weiter geht. Mit dem Flugzeug nach Santander und ab dort via Santiago. Soweit die Füße tragen mit meiner Kindergartenfreundin Jana auf dem spanischen Nordküstenweg unterwegs sein, bei Wind und Wetter…

Mittlerweile habe ich mich von meinen Strapazen erholt, war zwei Wochen in Norddeutschland, habe Tagestouren in der Heimat unternommen, geputzt, Bewerbungen geschrieben und meine Basalrateneinstellungen verfeinert. Außerdem habe ich zwei Diabetestreffen in Frankfurt am Main und in Mainz besucht und dort liebe Diabetesmenschen kennengelernt*.

Rückschläge beziehungsweise ein Ändern der Pläne passieren jedem Menschen. Ich bin mit meiner Entscheidung, den Jakobsweg zu unterbrechen, sehr zufrieden. Vielen Dank an alle, mit denen ich darüber gesprochen habe und die mit mir die Zeit dazwischen mit schönen Gedanken und Begegnungen gefüllt haben! <3 Wer sich gerade mit Scheitern oder Planänderungen herumschlägt, kann ich den Podcast #79 von bevegt dazu empfehlen, vom Erfolg und Scheitern.

Kurz und gut: Die neue Herausforderung „Pilgern auf dem Nordküstenweg“ kann nun kommen!

Ich hoffe, dieses Mal klappt alles anders besser. Bisher bin ich sehr zuversichtlich.

Habt eine gute Zeit, passt auf euch auf und vergesst den Herbstputz nicht 😉 Viele Grüße, Beate

*Falls du aus dieser Gegend kommst, die Treffen werden von Insulinjunkie Matthias organisiert und auf seiner Facebook-Seite bekannt gegeben.

Jakobsweg II: Bald packe ich meinen Rucksack

Planung von 2.500km Jakobsweg und der Diabetes kommt mit.

Hallo liebe Leserin, hallo lieber Leser,

der ein oder andere mag es vielleicht schon mitbekommen haben, dem Rest verrate ich es heute: Ich gehe bald wieder pilgern. 2015 war ich bereits 600 km auf dem Camino frances gepilgert, habe vorher die Reise geplant , mich mit „ultraleichtem“ rucksackgegeigneten Diabetesequipment ausgestattet und mich danach über meine Erfahrungen gefreut. Schon damals habe ich geschrieben „Pilgern? Sicher nochmals!“

Zur Zeit schreibe ich meine Masterarbeit und werde mein Studium hoffentlich im Juli abschließen. Als zukünftige Lehrerin muss ich noch in die Praxisphase der Ausbildung und davor habe ich ein paar freie Monate. Womit könnte ich einige davon also besser füllen als erneut pilgern zu gehen?

Wegweiser

Ich werde circa 2.500km laufen

Geplant habe ich, in meinem Studienort zu starten – d.h. direkt vor der Haustür. Von dort geht es innerhalb ein oder zwei Tagen schon nach Frankreich, durch Frankreich hindurch und über die Pyrenäen nach Spanien. Dort werde ich spontan entscheiden, welchen Weg ich genau nehme (Camino frances oder den Küstenweg) und nach Santiago laufen. Dafür habe ich in etwa 3 Monate eingeplant und freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind 🙂 In den letzten Tagen habe ich schon ein paar Kleinigkeiten besorgt und mir neue Schuhe gekauft. Dieses Mal wird vieles anders: Ich laufe nicht mehr mit Wanderschuhen, sondern mit Trailschuhen. Und: Dieses Mal laufe ich mit meinem Dexcom-Sensor.

Die meiste Zeit werde ich alleine laufen, eventuell wird meine Kindergartenfreundin und Mitpilgerin Jana mich wieder ein paar hundert Kilometer begleiten.

Ich trage wieder einen 35+10Liter Rucksack mit mir herum und dem aufmerksamen Mathematiker wird auffallen: Häh, da passt doch niemals das ganze Diabetes-Zeug für 3 Monate rein. Das ist absolut richtig. Deshalb werde ich 2 bis 3 Pakete vorpacken und meine Eltern bitten, mir diese zu Poststationen zu schicken. Meine Dia-Ärztin ist schon informiert, auch bekomme ich dort den Quartalsbedarf aufgeschrieben. D.h. zwischendurch dürfte es nicht zu Lieferschwierigkeiten kommen.

Warum wieder der Jakobsweg?

Der Jakobsweg ist zunächst einmal ein vielerprobter Fernwanderweg mit einer recht guten Infrastruktur (Herbergen, Nahrung, Apotheken). Ich bin in der Natur und werde auch stundenlang keinen Menschen sehen, trotzdem bin ich nicht komplett abgeschieden von der Zivilisation. Vorteilhaft, falls ich zwischendurch wirklich die Tour abbrechen wollen würde – solch eine lange Tour habe ich noch nie gemacht und muss schauen, wie meine Motivation und mein Körper das mitmachen. Hinzu kommen unzählige Variationsmöglichkeiten der Wegenetze. Dass ich christlich-gläubig bin, ist kein Grund für oder gegen den Jakobsweg: Es kommt darauf an, was Du aus dem Weg machst. Ich werde bestimmt den ein oder anderen Gottesdienst auf dem Weg besuchen, grundsätzlich ist mir das aber egal, beten kann ich schließlich überall.

Wandern in der Pfalz

Nützliches

Ich habe bereits beim letzten Mal sehr von Tipps anderer Wanderer, Pilgerer und Webseiten profitiert, ein paar hänge ich euch an. Bestimmt werde ich hier oder in den Kanälen der sozialen Medien noch das ein oder andere zu meiner Reise teilen. Über Erfahrungen, speziell mit Typ-1-Diabetes, bin ich übrigens dankbar.

Bei Fragen, Motivation für die Endphase des Studiums, den Weg, Kritik oder ähnliches: Lass es mich in den Kommentaren wissen. Los geht’s hoffentlich im Juli. 🙂

Ich wünsche dir einen schönen Tag! Beate

REISEN ALS TYP F’LER – Oder: „Wir haben viel zu viel Gepäck“ [GASTBEITRAG]

Heute kommt meine Schwester zu Wort, die über ihre Erfahrungen als Typ F’lerin unseres Urlaubs berichtet.

Kurzbeschreibung: Meine jüngere Schwester liebt Kaffee, hat Angst zu verhungern und packte deshalb trotz der Angst, zu wenig Unterhosen mitnehmen zu können, 1 kg Nudeln mit zwei Gläsern Pesto ein.

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Seit neustem weiß ich, dass man mich als Schwester einer Typ 1 Diabetikerin Typ Fler nennt. Was erst einmal neutral klingt, kann im Outdoorurlaub schnell zu einer Herausforderung werden.

Packen und Planen als Typ F’ler

Eigentlich rechnete ich bei der Urlaubsplanung nicht mit Besonderheiten, die Erkrankung meiner Schwester vergesse ich im Alltag sehr oft. Bis wir anfingen, für Schweden zu packen. Fast schon hysterisch bekam ich Dinge zu hören wie: „Die Jacke brauchst du nicht, du hast doch schon die andere.“ „Nimm nicht so viele Unterhosen mit, du musst doch noch etwas von meinen Diabetessachen einpacken.“

Mit überschaubar gefüllten Rucksäcken – in die, welch Wunder, sogar noch unsere Schlafsäcke passten– standen wir am Busparkplatz und warteten auf die anderen Mitfahrer. Die einzige Sorge meiner Schwester: „ Alle denken jetzt, ich könnte nicht packen, dabei habe ich fast nur Diabetessachen dabei!“

Schlussendlich endete es, wie es kommen musste: Wir hatten am wenigsten Gepäck von allen. Inklusive aller Dinge, die ein Diabetiker zusätzlich braucht.

Was kann man daraus als Typ Fler lernen?

Erstens: Nimm nie zu viele Unterhosen mit, wenn du mit einem Diabetiker in Outdoorurlaub fährst.

Zweitens: Achte immer darauf, dass der Diabetiker keinen Unterzucker bekommt, so hast du mehr Süßigkeiten zum Naschen für dich!

Blutzucker messen auf dem Steg

Drittens: Falls du planst, beim Kanu fahren zu kentern, bist du über jedes Gepäckstück, dass dir dein mitreisender Diabetiker verboten hat, froh!

Aber vor allem: Wenn du gerne einen lustigen, erlebnisreichen, ab und an panischen Urlaub verbringen möchtest, verreise unbedingt mit beate_putzt!

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beate_putzt einen Sommer in Schweden – Diashow

Erholt und entspannt bin ich aus meinem Kanuurlaub in Schweden wieder zurück. Wer mag, kann sich ein paar Bilder anschauen. Davon, dass wir fast nur schlechtes Wetter hatten, ist auf den Bildern nichts zu sehen. Insgesamt waren wir sieben Tage unterwegs. Auch mit Diabetes ist Reisen mit wenig Gepäck und Sport möglich, wenn ihr gut geplant habt 🙂 Komplett weg von Internet, Telefon, Verkehr, Lärm und Alltag, mitten in Sonnenstrahlen, Regenstürmen, Schlamm, kaltes und nicht so kaltes Seewasser und Outdooor-Kleidung.

“May your trails be crooked, winding, lonesome, dangerous, leading to the most amazing view. May your mountains rise into and above the clouds.” – Edward Abbey

 

Gute Vorsätze, abnehmen, WOHLFÜHLEN – geht das mit Diabetes?

Ein neues Jahr steht vor der Tür und mit ihm viele Vorsätze. Oft geht es um Ernährung, Sport und Abnehmen: Detlef D! Soost will uns sexy machen, alle sprechen von Detox oder Entschlackung, die Fitnessstudios sind mehr als voll…Im Bekanntenkreis höre oder lese ich immer wieder „Ich will abnehmen, aber ich weiß nicht wie.“ In Diabetes-Foren steht dann oft noch der Satz: „Wie kann ich trotz Diabetes abnehmen?“ oder auch „Insulin macht dick.“

Grundsätzlich lässt sich eine Sache festhalten: wer abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrennen, als er zu sich nimmt. Ob dies über low carb, low fat, Friss-die-Hälfte oder sonstwas passiert, ist erstmal egal. Langfristig muss jeder für sich entscheiden, welche Ernährungsweise für einen selbst am Besten ist unter Berücksichtigung der ethischen, biologischen,… Aspekte.

Vor drei Jahren sah mein Leben völlig anders aus

Vor drei Jahren war ich an einem Punkt, an dem ich mir gesagt habe: so geht’s nicht weiter. Ich war unzufrieden mit meinem Lebensstil und meinem immer höheren Gewicht. Wirklich erkannt und etwas geändert habe ich diese Tatsachen aber erst, als ich ein Bild von mir gesehen habe, das meiner Wahrnehmung von mir gar nicht entsprach und wie ich auch nicht aussehen wollte. Von meinen Eltern bin ich eigentlich (!) zu einem gesunden, aktiven Lebensstil erzogen wurden – den ich gerade zu Beginn des Studiums vernachlässigte.

Auf Frust folgte Motivation und ich begann, meinen Lebensstil schrittweise umzuwandeln.

Zunächst fing ich wieder an zu walken und meldete mich kurze Zeit später wieder in einem Fitnessstudio an, in dem ich regelmäßig trainierte. Die Ernährung habe ich erstmal wieder auf das vom Elternhaus anerzogene zurückgestellt und die ersten Kilos purzelten. Mein Diabetes war sehr schlecht einstellbar und nachdem ich mich lange geweigert hatte, wies ich mich schließlich selbst ins Krankenhaus Bad Mergentheim ein. Dort wurde ich mich nochmal auf verschiedene hingewiesen und durch den Kontakt mit anderen Diabetikern erfuhr ich erstmals vom Diabetes-Leben #dedoc im Internet – nach so langer Zeit Diabetes hatte ich mich damit noch nie auseinandergesetzt oder nur daran gedacht. Die Motivation hatte ich damals mehr als zuvor nötig, aus heutiger Perspektive würde ich mich selbst für die damalige Phase als Diabetes-Depressions-gefährdet einstufen.

In der Klinik wurde festgestellt, dass ich viel zu viel Insulin pro Tag benutzte. So hatte ich nachmittags Hypos, die ich aber nicht bemerkt habe, dadurch immerzu hungrig war und deshalb ständig aß. Bei der Entlassung war mein Insulinbedarf um 15 IE pro Tag weniger….und wie bekannt ist, kann zu viel Insulin durchaus als Masthormon bezeichnet werden.

Portionsgrößen? Was ist das?

Ich esse schon immer und auch noch immer gerne und mehr als andere. Doch damals war ich selbst für meine Verhältnisse über’m Limit unterwegs. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel ich eigentlich esse, habe ich anfangs mithilfe der fbbd.info App Kalorien und Nährwerte gezählt. Insgesamt esse ich viele (mehrkettige) Kohlenhydrate – jaaa, auch abends 😉 , Gemüse und Obst. Es gibt Studien, die zeigen, dass man mit low carb zwar anfangs mehr abnimmt, der Gewichtsverlust nach einem Jahr mit low carb oder low fat etwa gleich ist. Das einzige, was bei mir mit low carb dauerhaft abnimmt, ist meine gute Laune!

Meiner Erfahrung nach sehr wichtig ist absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber: was habe ich gegessen, was habe ich (nicht) gespritzt, wann habe ich mich das letzte Mal bewegt?

Langfristige Erfolge

Kurzfristig eine Diät durchziehen kann jeder. Effekt: gleich null. Ich habe mich für die langfristige Methode entschieden: Kein lowcarb, keine Kohlsuppe, kein Detlef D! Soost, Kayla Itsines oder sonstwas Programme. Stattdessen ein für mich passendes BAT-Programm: ich esse, was ich will. Viel Obst und Gemüse, viele Kohlenhydrate, relativ wenig Fett, wenig Industriezucker, so gut wie keine Konservierungsstoffe. Quasi das, was Mama schon immer gepredigt hat und heute als clean eating bekannt ist. Neben Gewicht halten oder verlieren hat diese Ernährungsweise weitere Effekte auf den Organismus, da viele ungesunde Fette dem Stoffwechsel schaden. Das Risiko für eine Erkrankung des Herzkreislaufs steigt. Durch viele Vitamine bleibt das Immunsystem stark, oft verbessert sich das Hautbild.

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Frisch vom Markt
Frisch vom Markt (Sommersaison)

Ernährung, Bewegung, Erholung

Nicht nur Ernährung ist wichtig. Bewegung im Alltag, sportliche Tätigkeit und auch Erholung ist genauso wichtig! Ich mache alleine schon Sport, um mehr essen zu können 😉 Zusätzlich ist Bewegung und Sport gut für das Bindegewebe, die Wirbelsäule (Rückenschmerzen entstehen oft durch Bewegungsmangel), den ganzen Bewegungsapparat und nicht zuletzt für den Kopf.

Für den Kopf habe ich hier folgendes Video über „Glück“ von Eckart von Hirschhausen mit den 5 Gründen für schlechte Laune (die natürlich auch mit Ernährung zusammenhängen kann – Bsp. Beate mit low carb-Ernährung).

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=5HLv1SZyPE8&w=1280&h=720]

Fazit & Ausblick

Seit meiner Entscheidung von vor drei Jahren ist einiges passiert: ich halte mehr oder weniger mein Gewicht, treibe regelmäßig Sport, bin achtsamer mir selbst gegenüber. Und: der Blutzucker ist auch besser – wenn auch leider nicht immer ;-)! Das hat weniger etwas mit meinem Entschluss, abzunehmen, zu tun, sondern eher mit meiner Veränderung. Abnehmen alleine macht nicht glücklich. Für mich geht und ging es nie darum, gesellschaftliche Konventionen oder die Hoffnungen der Modeindustrie zu erfüllen. Es geht für mich vielmehr darum, mein Leben zu genießen, mich wohlzufühlen und das mit möglichst wenig zusätzlichen gesundheitlichen Risiken neben dem Diabetes.

spread the love <3
spread the love <3

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Da ich die letzten Wochen durch eine längere Erkältung und viel Stress mich selbst ausgebremst habe, haben sowohl meine Blutzuckereinstellung als auch mein Körper etwas gelitten. Deshalb stelle ich mich mit in die Reihe der guten Vorsätze: das muss besser werden. Ich plane, bei der mysugr Challenge und der eat train love Challenge teilzunehmen. Mysugr fordert uns Diabetiker auf, unser Monster genau zu beobachten und Tagebuch zu führen. Diese Daten möchte ich gewissenhafter als im Dezember auswerten. Die eat train love Challenge hat gleich drei Themenschwerpunkte in drei Monaten: gesunde Ernährung (z.B. täglich einen green smoothie), Bewegung und Selbstliebe/Achtsamkeit. Mal sehen, wieviel ich für mich umsetzen kann.

Challenge accepted! beate_putzt

 

(Vor-)Weihnachtsblues?!

Es ist Dezember und wie jedes Jahr: Die Termine häufen sich, die Sonne wird weniger, die Erkältung geht nicht weg und zack! hat er mich wieder: der (Vor-)Weihnachtsblues. Dieses Jahr hat es mich besonders schlimm erwischt und nach zwei Tagen extrem schlechter Laune ist jetzt Schluss. Nicht nur die Laune, auch die Blutzuckerwerte haben extremst gelitten. Körper und Geist gehören schließlich zusammen, also auch kein Wunder, dass die Erkältung nicht weggeht.

Hier kommen meine Strategien, die vielleicht auch dir helfen, den (Vor-)Weihnachtsblues zu minimieren oder ganz wegzubekommen.

1.) Ich gehe ab jetzt wieder jeden Tag an die frische Luft – Sauerstoff, Bewegung und Tageslicht begünstigen gute Laune und die Vitamin-D-Aufnahme. Zudem ist frische Luft und Bewegung auch mit Erkältung möglich, kurbelt die Durchblutung an und hilft den Atemwegen.

Die Schönheit der Natur beim Spaziergang genießen...
Die Schönheit der Natur beim Spaziergang genießen…

2.) Ich versuche, wie sonst das Jahr über auch, wieder mehr frisches Gemüse zu essen. Irgendwie fällt mir das im Winter schwerer und die Versuchung der Schokolade ist groß. Ich bin der Überzeugung, dass meine Ernährung ein großer Teil meiner Lebenseinstellung beeinflusst – und viel Industriezucker macht mich auf Dauer träge. Deshalb wieder back to the roots – Smoothies, Wintergemüse are calling. Und Schoki darf’s ja auch mal sein – wozu sonst ist ein Adventskalender da?

3.) Zeit für mich finden und nutzen. Nicht nur vorm TV hängen und einfach abschalten, sondern wirklich quality time für mich schaffen. Heißt: Meditation, Yoga, Sport, lesen, etc. Was mir in dem Moment eben gut tut!

4.) Aufräumen! Nicht im Chaos versinken! Gilt für Kopf und Räumlichkeiten!

5.) Achtsamkeit & Dankbarkeit. Jeden Tag bin ich dankbar für das, was ich habe! Ein Dach über’m Kopf, warmes Essen und Wasser, meine Leistungsfähigkeit, …. .

6.) Rücksicht und Toleranz mir selbst gegenüber. Ja, es ist Winter. Ja, ich bin erkältet. Ja, meine Blutzuckerwerte sind beschissen. – Nein, ich bin kein schlechterer Mensch. Sondern ich versuche die Tatsache anzunehmen, dass ich jetzt mehr Schlaf, Zeit für mich und Ruhe brauche.

7.) Regelmäßig mit Freunden treffen, zum Glühwein trinken und quatschen 🙂 Wärmt die Seele und steigert meine Laune beträchtlich!

8.) Lieblingsmusik anmachen, mitsingen und tanzen 🙂

You never feel happy until you try!

 

An sich natürlich Tipps, die jeder von uns kennen dürfte. Trotzdem habe ich sie mal wieder vergessen  und mir deshalb jetzt wieder bewusst gemacht. Vielleicht helfen sie euch ja auch. Über eure Strategien, Helferlein gegen schlechte Laune und was euch noch so einfällt – freu ich mich auch sehr!  🙂

Herzliche Grüße,

beate_putzt (ihren Weihnachtsblues weg)